Verfasst von: Dennis K. | 17. Dezember 2013

Von Socken mit Füßen, Laktatschenkeln und einer indonesischen Einladung bei Nancy !

  • Riding Day 19: Suburbs of Kuala Lumpur to Port Dickson, 70km, total of 2422km 7/10 ( Rolling Hills durch Plantagen und Regenwald)
  • Riding Day 20: Port Dickson to Malacca, 76km, total of 2498km 7/10 ( thanks to Douglas hard training ride)

Liebe Freunde,

dieser Trip neigt sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Über Kuala Lumpur möchte ich zumindest in diesem Beitrag nicht so viele Worte verlieren, lieber guttenberg ich  ein wenig und zitiere aus Henry Golds Blog über seinen Ruhetag in KL:

We have arrived in Kuala Lumpur,  translated as ‘muddy confluence’ established in 1857 by 87 Chinese prospectors. Seventy of them died within the 1st month but today it is a world class metropolis. Each day on the Bamboo Road I cycle. On the rest days, however, I walk the city. I like walking. It gives me a sense of the city; if you will, a measure of its pulse.

Rights: Henry Gold

Rights: Henry Gold

Kuala Lumpur is not an easy city in which to walk, even though it is relatively compact. This is not a place where a great urban planner drew up a sketch and the city developed according to the plan. The absolute opposite seems to be closer to the truth. This city seems to have expanded and grown in a manner like a child building with a Lego set. You start with something and add to it. And then you think of something else and add it. And then you realize you have a traffic jam so you try to add a monorail. And than you add some very high buildings and many people want to drive to visit these building, so you built a highway. And so on.

Rights: Henry Gold

Rights: Henry Gold

In any case, the end result is that you have some great neighborhoods – like Chinatown and Little India – and than you have a lot of high-rise buildings, both offices such as the iconic Petronas towers and many high-rise residential units. In fact, it is rather astonishing to see. Walking around in this city gives one a sense of awe at human abilities…and a moment later, a sense of exasperation at human short-sightedness. As the day progresses, as one’s energy saps away, the excitement of the city, the creativity, the vibe, is overshadowed by a creeping sense of alienation. The beauty you saw before is now disfigured by broken or non existent sidewalks, rubbish, dirty water, and, beggars on the street.

It was at this point in my walk that I saw a small barbershop and decided that I needed a shave. I have been enjoying the work of local barbers all along our cycling route in South East Asia, not the least because I have arthritis in my hand. What better thing to do than to use that as an excuse for a nice, soothing treat. So I walk in, sit down and start getting a shave. As the barber begins to lather my face I notice some kitschy posters on the wall. You have certainly seen the like. On one in are a group of beautiful horses and the slogan “Each Day Be Happy Be Free”. On another, depicting a person getting a haircut, there is a gorgeous waterfall and the inscription; “Happiness is Everyday Sunshine in your Life”.

Rights: Henry Gold

Rights: Henry Gold

As my Tamil barber diligently works, I listen to the lovely Hindu music drifting in from the outside and become acutely aware that I am in Chinatown, in Kuala Lumpur, in Malaysia, having just cycled from Hanoi and, with less than a week before this adventure ends, I silently thank the barber for reminding me how for each day of the last two months I have been happy and free.
(Quelle: http://tourdafrique.com/2013/12/walking-in-kuala-lumpur/)

Nachdem ich mit Henry diesen Sommer schon ein aus meiner Sicht wenig erfreuliches “Facebook-Gefecht” ausgefochten habe, auf das ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, ich seine Sicht der Dinge nun aber deutlich besser verstehe, hatte ich auf diesem Trip die Chance, ihn einmal persönlich näher kennenzulernen. Er ist wirklich ein wenig wie die Durian-Frucht – von aussen stinkig und stachelig, aber wenn das verdammte Ding einmal auf ist, eine vielschichtige (kulinarische) Überraschung.

Ich hatte gerade in den letzten Tagen viele interessante Gespräche mit ihm – er spricht gerne in Bildern, die einem den Zugang zu seinen Ideen enorm erleichtern. Ob es nun die Legosteine sind, aus denen Kuala Lumpur von Kinderhänden erschaffen wurde oder das Bild der unterschiedlichen Geliebten für jeden TdA-Trip, Gespräche mi Henry haben etwas an sich, das irgendwie hängen bleibt. Vielleicht werde ich auf über ihn nochmals ein paar gesonderte Blogworte verlieren !

Zurück zu unserer Reise – die Tour ist ist der letzten Woche sehr touristisch geworden. Nach einem Ruhetag in Kuala Lumpur und einem halben Radtag (70km) an das “Seebad” Port Dickson, führte eine weiterer halber Tag (74km) in den nächsten und letzten Ruhetag nach Malakka.

Ein bisschen angenervt ging ich in diese letzte Etappe, musste ich mir ein Großapartment mit insgesamt 5 weiteren Mitfahrern teilen. Sind Paul und ich  mittlerweile ein sehr eingespieltes Team, das nunmehr gemeinsam nackt durchs Apartment flitzt und um die Wette furzt, haben andere der älteren Mitfahrer für mich weniger zugängliche Marotten:

Ich hatte meine gesamten Socken gewaschen und in Port Dickson in die pralle Sonne gehängt und dabei darauf geachtet, dass sie nicht aus der 6. Etage hinunter fallen können. Als ich nun abends gegen 22:00 den Trocknungsstand meiner gesamten Socken checken wollte, konnte ich nur mein Radtrikot und meine Radhose finden – meine Socken waren verschwunden. Auch mein Blick in die Tiefe offenbarte keine Lösung – so bat ich Paul, doch einmal bei Gloria und Bob zu fragen, hatten sie sich schon vor Stunden in ihre “Schlafgemächer” zurückgezogen. Und siehe da, Gloria hatte nach fast 4 gemeinsamen Monaten mit ihrem Mann noch immer meine gesamten Socken für die Seinen gehalten und schon vor Stunden vom Balkon geholt. Ärgerlicherweise waren meine Socken immer noch nass, so dass ich sie nun direkt vor die Klimaanlage hängen musste, wo noch Nolas Sachen hingen.

Gegen 23:00 muss Nola ihre Sachen vom Balkon geholt haben und Nola war der Meinung, dass nach ihren Sachen keine Sachen, v.a. nicht fremde Socken,  auf dem Balkon verweilen dürfen und legte sie im Wohnzimmer ab – PEOPLE, GET YOUR HANDS OFF MY(!) SOCKS. So hatte ich am folgenden Morgen eine Tüte voller nasser Socken, denn hier trocknen Dinge entweder in der prallen Sonne oder im Trockner. Ansonsten trocknen sie aufgrund der Schwüle kurzfristig überhaupt nicht.

So habe ich ein Paar nasse Socken angezogen und machte mich relativ früh um 7:20h auf den Weg. Ich hatte alle Fahrer nach 20km eingeholt und fuhr eher kraftlos mit einem 28er Schnitt durchs hügelige Gelände. Völlig in Gedanken versunken klatschte es auf einmal auf meinem Po und ich wurde von Douglas überholt. Das war genau das Hinterrad, das ich an diesem kurzen Tag brauchte. Douglas gab “Kette rechts” und das Profil war flach genug, dass ich ihm folgen konnte, aber auch hügelig genug, dass ich mir, an den zahlreichen kleinen Kuppen, die Lippen blutig beissen musste. Nach deutlich weniger als einer Stunde erreichten wir den Lunch bei Km 55 und der Gesamtdurchschnitt strahlte nunmehr in verheißungsvolleren 32,1km/h – eine laktathaltige Trainingseinheit, die ich brauchte: 

Douglas and I - Laktatexpress

Douglas and I – Laktatexpress

Knapp nach 10 Uhr erreichten wir deutlich vor allen anderen unser Hotel in Malakka und glücklicherweise war mein Zimmer schon bezugsfertig. Nach einer Dusche machte ich mich ins Getümmel und verschaffte mir einen ersten Überblick, währenddessen ich Hunger aufzubauen versuchte.

Nachdem ich etwa 3kg meiner Wäsche (inklusive der nun stinkigen Socken) ein hoffentlich letztes Mal weggebrachte hatte (was 12 Ringgit also weniger als 3 Euro kosten sollte), erkundete ich Chinatown, um dann bei einem Pakistani nochmals zu Tandoori Chicken und Naam-Brot einzukehren. Dummerweise konnte ich den Pakistani nicht finden, so dass ich mich für Lonely Planets Tip “Nancy’s Kitchen” entschloss. Nochmals häusliche Nyonian food in authentischer Umgebung! Vor mir bemühten sich Asiaten um einen Platz – sie taten dies aber interessanterweise in Englisch und bemühten sich auch um einen behindertengerechten Platz, was in diesem engen Lokal eine wirkliche Herausforderung war. Da ich alleine unterwegs war, bekam ich sofort einen Platz, während sie noch immer auf einen Platz warteten. Als sich der Tisch neben mir leerte bat ich ihnen an, umzuziehen, was aber auch nicht ihre Problem zu lösen schien. Nach ein paar Minuten fragten, sie ob sich zwei Personen zu mir setzen könnten – kein Problem, allein wie ich war, freute ich mich sehr über ihre Gesellschaft.

Es war ein junges indonesisches Pärchen, das mit den Eltern unterwegs war, sie verbrachten einige gemeinsame Tage in Malaysia und  baten mir auch sofort an, ihre Speisen mitzuessen, was ich eigentlich nur aus dem Grund ablehnte, dass bei meiner Bestellung die Augen bzw. die Gier mal wieder größer waren als der Magen und ich neben einer Vorspeise, 2 Hauptgerichte gewählt hatte, die im Grunde kaum zu bewältigen waren.

Nachdem ich aber auch auf ihren Teller Schweinefleisch entdecken konnte, wollte ich wissen, welchen Glauben sie hatten, sahen sie für mich eher chinesisch aus, mir aber ansonsten schon bekannt war, dass  Indonesien das größte muslimische Land überhaupt ist, mit einer über (?) 90%igen muslimischen Dominanz. So stellte sich heraus, dass Ana und Kennard Christen waren.

Als ich noch während unseres Gesprächs mit Kasia skypte und irgendwie erheitert gegenüber meinen Tischnachbarn feststellte, wie vernetzt die heutige Welt sei, da ich hier mit einer indonesischen Christenfamilie im muslimischen Malakka bei Nyonischer Küche sass und zeitgleich mit meiner schwangeren, polnischen Freundin in der Badewanne in Deutschland skypte  - brach aus Ana heraus: “Germany (?) – Deutschland, wir kommen aus Deutschland !” Ungläubig staunte ich Ana an, deutsch sah sie nicht aus, viel Akzent hatte sie aber auch nicht:

Kennard hatte an der RWTH Aachen Informatik studiert, Ana in Mönchengladbach und sie lebten nach 15 Jahren fernab der Heimat nun in Frankfurt, wo Kennard für Accenture arbeitet. Die Familie war natürlich auch erheitert und wohl auch ein wenig stolz und so hatten wir ein nettes Tischgespräch, das mal auf deutsch und mal auf englisch geführt wurde. Wie selbstverständlich stand Kennard irgendwann auf und beglich die Rechnung im Hinterzimmer – auch für mich. Dass ich ein unverbesserlicher Vielfrass bin, hat ihn dabei kaum gestört. Es war aber nicht nur deshalb sehr nett mit Euch:

Also Ihr beiden Frankfurter (!), kommt uns mal am Bodensee besuchen – zumindest wenn Euch ein schreiendes Baby nicht stört, seid Ihr auch in diesem Sommer herzlichen willkommen ! Die Welt ist klein und Menschen (zumindest auf Reisen) sind häufig sehr aufgeschlossen und gastfreundlich ! Vielen Dank für das nette Mittagessen !

Kennard with Dad

Kennard with Dad

Ana with Dad

Ana with Dad

Sorry, dass ich Eure Mütter rausgeschnitten habe, beide hatten ihre Augen unvorteilhaft geschlossen und wollten sich so vielleicht nicht in meinem Blog wiederfinden ! So ist dieses Schnappschussbild vielleicht doch das Schönste:

Ana und Kennard's Family

Ana und Kennard’s Family

My big feast (that Kennard paid for :-)

My big feast (that Kennard paid for :-)

Restoran " Nancy's Kitchen"

Restoran ” Nancy’s Kitchen”


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