Verfasst von: Dennis K. | 29. Januar 2011

Sudan, die liebliche Überraschung

Convoy über Nasserdamm zur Fähre, EFI, 17km, 1000km total
9. Etappe ins 1. Nilcamp, EFI, 143km, 1143km total
10. Etappe ins 2. Nilcamp, EFI, 149km, 1292km total
11. Etappe nach Dongola, EFI, 109km, 1401km total

Grüße aus dem Sudan, nach einem ersten Camp in Wadi Halfa im Sudan haben wir nunmehr auch die ersten drei Radtage hinter uns. Sudan, Sudan, Du machst mir große Freude !!

Nachdem wir rechtzeitig (!!) Ägypten verlassen konnten, genießen wir nunmehr ein völlig anderes Land. Angefangen hat es ehrlich gesagt für mich nicht so rosig. Seit der Fähre habe ich eine leichte Erkältung in den Knochen stecken, die noch immer weder richtig rein noch raus will und seit dem Sudan ist auch unsere Logistik komplett verändert. Wir haben 2 große Gepäckwagen, einen kleineren Lunchtruck und 2 weitere Jeeps. Im Gepäckwagen hat jeder TdAler einen 200l Spind, in dem er sein gesamtes Gepäck unterzubringen hat und hier lag das Übel auch begraben. Bis zu unserem heutigen Ruhetag war ich bis zuletzt nicht in der Lage, mein Zelt unterzubringen. Dies führte natürlich zum einen oder anderen Seitenhieb, zählt mein Hille Keron 3GT doch eher zu den größten Häusern in unserer Zeltstadt.

Der erste Tag auf dem Rad fing folglich mit sehr viel Stress an: kalte Nacht, riesige Hektik beim Einräumen der Sachen gefolgt von einer unbarmherzigen Etappe im anfangs hügeligen Nordsudan. nachdem ich in Ägypten das eine oder andere Mal meine holländischen Freunde flott gemacht habe, habe ich postwendend den Ar… mit einem dicken Stock voll bekommen und mir gleich 9min auf die Spitzengruppe eingefangen. Baastian und die Brams Brothers merkten, dass ich extrem schlechte Beine hatte und haben mich dann auch gnadenlos aus unserem kleinen Feld gefahren und anschliessend das Tempo nochmals erhöht.

Auf der 10. Etappe fanden sich dann nur noch die wohl 5 stärksten (wohlgemerkt auf flachem Asphalt) Fahrer zusammen und diese Gruppe harmonierte (!). Unterstützt von einem phasenweise angenehmen Rückenwind stand die meiste Zeit eine 4 vorne auf dem Tacho und wir rotierten gut durch. Zum Schluss habe ich das Tempo derart angehoben, dass Tempoerhöhungen und Antritte auf den wenigen Hügeln ausblieben. Der größere Brahms, ein guter und zum Glück farbenblinder Sprinter, konnte nur noch zu mir aufschliessen und so hatten wir unser erstes unentschiedenes Fotofinish (die auf der Webseite ausgewiesenen Zeiten sind nur die Nettozeiten zwischen Checkin and -out und widerspiegeln NICHT immer den Tagessieger). Die Rennleitung sprach mir den Sieg zu🙂 – who cares, ich konnte es selbst nicht mit Sicherheit sagen.

Am nächsten, kurzen, flachen und passatunterstützten 3. Tag rotierte unserere Gruppe wieder bestens, an der Ziel“einfahrt“ beteiligte ich mich diesmal nicht, zu kurvig ging es durch Dongola. Zu erwähnen ist aber ein Schnitt von über 40km/h auf den letzten 43km und über 240Watt im Durchschnitt, auf meiner Führung über jeweils 1km stellte ich immer eine 3xx nach vorne. In Khartoum werde ich mal ein SRM-Diagramm hochladen. So genug des Rennens, aus dem ich persönlich am Ende der nächsten 4 Renntage den Zug nehmen werde. Es passt alles gut zusammen, denn der letzte Tag wird ein 20km Einzelzeitfahren sein. Mein Tipp: Paul Wolf, Bram, Bastiaan, Horst, Dennis und dann hat die Rennerei vorerst ein Ende. zu viel gibt es hier zu sehen als dass ich die ganze Zeit nur auf ein Hinterrad starren möchte.

Der Sudan ist bisher ein Traum, die Landschaft ist viel farbenfroher als noch in Ägypten und unterschiedliche Braun-, Ocker und Gelbtöne machen die hiesige Wüstenlandschaft aus. Die Chinesen haben vor drei Jahren eine neue Straße gebaut, die zumindest in in Nord-Südrichtung gefahren ein jedes Radlerherz erfreut. Auf der 1. Etappe von immerhin knapp 150km begegnete uns kein Dutzend Fahrzeuge und wir hatten Straße und Landschaft nur für uns. Aufgrund des hohen Tempos waren wir zur Mittagszeit schon im Camp und konnten nach dem Zeltaufbau dann auch ein Bad im Nil genießen. Die Frage, ob es nun Krokodile im Sudan gibt, bleibt unbeantwortet – schön war es allemal !! In anderen Facebookseiten ist dokumentiert, dass auch mein Astralkörper zur großen Nilschwemme 2011 beigetragen hat.

Zu guter Letzt, die schönste Überraschung sind die Sudanesen selbst, ich habe noch nie so herzliche, gastfreundliche und interessierte Menschen erfahren. Nachdem das Besorgen einer SIM-Karte am heiligen islamischen Freitag kein leichte Unterfangen war, nahm sich ein Shopbesitzer selbst dieses Problems an, er schloss kurzerhand seinen eigenen Laden und führte mich um den Block zu einem offiziell geschlossenem Laden, dessen Besitzer er eindringlich vermittelte, dass hier ein Notfall vorläge – das in Ägypten allgegenwärtige Backshees hätte er wohl als Beleidigung empfunden.

So, der Sternenhimmel der nubischen Wüste ist ein weiteres Highlight unserer nunmehr 2wöchigen Reise und unter diesen werde ich mich jetzt legen. Das nächste Update erhaltet Ihr in 4 Tagen am Ende der 1. Sektion- des „Pharaohs Delights“ nach knapp 2000km. Ich freue mich schon wieder aufs Radl, bis dahin grüßt Euch – Dennis.


Responses

  1. Judihui, wieder da!!! Habe Deine Berichte schon vermisst… Weiterhin viel Spass und schön weiter über die netten Leute und die schöne Landschaft berichten🙂 Liebe Grues

  2. Beeindruckend, ne 4 schaff ich noch nichtmal mit Elektromotor:) Wünsche weiter viel Spaß, Gruß Kalle


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