Verfasst von: Dennis K. | 14. Februar 2011

Valentinstag zwischen Gonder und Bahir Dar

Liebe Leser,
heute muss ich mal ein wenig schummeln. Es ist Sonntag, der 13.2.2011 und wir geniessen noch immer unseren zweiten Ruhetag in Gondar, Äthiopien. Heute am Valentinstag geht ihr mal (fast) leer aus und meine Freundin bekommt eine Privatmail und wenn alles gut geht auch einen Anruf. Der kommende Text ist geklaut, von einem wirklich bemerkenswerten TdA Dude 2010, der im Übrigen morgen vor einem Jahr heftig Fieber bekam und trotzdem EFI in Kapstadt war. Ich kann mich noch genau an 2010 erinnern als ich seinen Eintrag heute und morgen las und im wahrsten Sinne des Wortes mitfieberte. Hardy, ich habe mir Dein gesamtes Blog runtergeladen und erfreue mich immer wieder an Deinen Beschreibungen:

(Montag) und Valentinstag und wir werden mit einer wunderschönen Etappe belohnt. Von Gondar geht es über das Hochland und durch eine spektakuläre Landschaft; zwei beachtliche Anstiege und ebensolche Abfahrten lassen die Radlerherzen höher schlagen. Phantastische Ausblicke von der Passhöhe aus über das weite, weite Land, umrahmt von einzelnen, madonnenhaft aufragenden Felsmassiven. Es ist sowas von schön und das auch jetzt in der Trockenzeit; wie sehr wird sich diese Landschaft in wenigen Monaten ins Grüne verwandeln, wenn der Regen kommt und den dörren Boden drängt und die Flüsse füllt. Riesige, ausladende einzelne Bäume bieten Mensch und Tier Schatten; die Felder sind meist abgeerntet und werden für die Regenzeit vorbereitet und ich kann beobachten, wie mit einem Zweier-Ochsengespann gepflückt wird.

Angebaut wird hier Mais und eine heimische Getreideart, aber auch vereinzelt Kaffee (wenn ich das richtig erkannt habe), Tomaten , Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln und Kraut. Dann wächst hier noch Teff, eine grasartige Pflanze, aus der das typische, äthiopische „Fladenbrot“ -injera- hergestellt wird, indem ein Teig mit Wasser mehrere Tage stehen gelassen wird, bis das Ganze fermentiert und dann wie riesige Pfannkuchen gebacken wird. Das Injera ist von brauner Farbe, hat eine schwammige Konsistenz und einen sauren, leicht essigartigen Geschmack. Vor allem verschiedenen Linsengerichte werden auf ihm serviert und dann mit den Fingern gegessen; es schmeckt interessant und füllt mächtig den Magen, nur allzviel kann ich davon nicht essen und schon gar nicht jeden Tag, aber hier ist es Grundlage jeder Mahlzeit. Auf den Fotos könnt ihr sowohl das Injera, wie auch ein Büffet mit einheimischen Speisen in einem Lokal in Gondar erkennen.

Unser Camp ist umringt von Kindern und Jugendlichen und es wird eine Schnur -wie ein Weidezaun- um das Camp gespannt und diese Grenze wird auch meist akzeptiert. Das klingt nun sicherlich befremdlich und schwer nachvollziehbar, aber es ist die einzige Möglichkeit, um campen zu können; die Kinder nutzen wirklich jede Gelegenheit, um etwas von uns an sich zu bringen und so sehr man das vielleicht nachvollziehen kann, so sehr nervt es doch auch auf Dauer. Auch heute gab es wieder das eine und andere Steinwurfattentat und es ist schmerzhaft für all die, die es trifft; fairerweise muss aber schon betont werden, dass die absolut größte Mehrzahl der Menschen auch hier uns sehr freundlich zuwinkt und uns begrüßt. Probleme macht mir mehr das ewige Betteln um Geld und die vielen leeren Hände, die mir hoffnungsvoll und fordernd entgegengestreckt werden. Ich versuche ja wenigstens alle hier zu grüßen und zuzuwinken und so auch ein bisschen was von mir zu geben und ich bin auch überzeugt so, dem einen und anderen Stein zu entkommen. Naja, ich denke dieses Thema wird uns alle noch einige Zeit beschäftigen.

Die Straßen sind voller Menschen und es scheint, alles ist auf den Beinen; die Frauen tragen Holz, getrocknete Kuhfladen als Brennstoff, Wasser, grüne Tomaten, Zwiebeln, Stroh,…… meist auf dem Kopf und ich denke zum Verkaufen auf dem Markt. Die Männer sind mit den Eseln unterwegs und transportieren die Kornsäcke und Holzstämme; die Kinder helfen bei alledem natürlich mit und für manchen ist das Gewicht, das er zu tragen hat, eindeutig zu schwer; vor allem Frauen und Kinder sind viel barfuß unterwegs und der Trampelweg neben der geteerten Straße, wo sie gehen, ist voller Steine und dornigem Gebüsch. Auffällig ist auch, dass alle, wirklich alle Jungs und Männer mit einem Stock ausgestattet sind, den sie in der Hand oder lässig über den Schultern wie James Dean tragen, fast so als ob er ein Statussymbol darstellen soll.

Morgen eine kurze Etappe und dann folgt schon wieder ein Ruhetag und ich kann euch Bericht und Fotos senden und das nach immerhin schon geradelten 3000 km.

Geniesst die letzten turbulenten Faschingstage und hütet euch vor der ätiopischen Höhensonne!!!!!!
auf bald
Gruß, Hartmut
(Quelle: http://www.hardyradelt.de/indexafrika.html)

Hardy zwischen Gondar und Bahir Dar 2010

Hardy zwischen Gondar und Bahir Dar 2010


Responses

  1. Hi Dennis;

    danke für deine Komplimente …..war ich ja echt überrascht heute!
    Nun hab ich mich ja schon auf deine Bartlänge zum Ende der Tour gefreut; aber bei aller Enttäuschung finde ich ja auch dass Du „nackt“ ganz gut und jung und frisch rüberkommst……
    schön so emsig und hautnah von dir zu hören; Äthiopien bietet echt viel geht ganz nah…..bleib weiter so taff und optimistisch und genieße jeden fabelhaften Millimeter-
    Gruß
    Hardy


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