Verfasst von: Dennis K. | 27. Februar 2011

Addis Ababa nach Arba Minch

31. Etappe, EFI, 105km 3647km total
32. Etappe, EFI, 130km nach Hosanna 3777km total
33. Etappe, EFI, 118km nach Soddo 3885km total
34, Etappe, EFI, 105km nach Arba Minch (weitestgehend dirt) 3990km total

Lieber Freunde, liebe Leser,

wie angekündigt melde ich mich mit dem jünsten Updateaus Arba Minch, Südäthiopien. Arba Minch liegt touristisch eigentlich sehr bevorzugt zwischen zwei Seen dem Abaya Hayk und dem Chamo Hayk auf gut 1300m mit einer bis zu 3200m hohen Bergkette im östlichen Hintergrund.
Die letzten Tage waren – wie könnte es in Äthiopien anders sein – radfahrtechnisch hart, insgesamt aber sehr abwechselungsreich, belohnten uns aber mit einer spektakulären Landschaft und mit , ich drücke es einmal sehr positiv aus, enthuisiastischen Kindern am Wegesrand. (*siehe weiter unten)

Im Gegensatz zum letzten Jahr verließen wir Addis Ababa nicht in südlicher Richtung via Debre Zeit und Shashemme, sondern in südwestlicher Richtung nach Hosanna und Soddo. So fiel der Convoy mit 14km in einem erfreulich ruhigen morgentlichen Addis Ababa angenehmer aus als erwartet. Nach der Neutralisisation zeigten sich dann Fahrer an der Spitze, die ich dort schon lange nicht mehr vorfand, so wurden die gut 90km nach dem Convoy stramm gefahren und ich war ganz zufrieden, nach meinem Magen/Darm-Zwischenfall überhaupt mithalten zu können. Zum Ende merkte ich dann aber auch das hohe Tempo und so fuhr ich die letzten 15km im eigenen Rhytmus.
Am nächsten Tag kam dann der Paukenschlag von Horst, der sich offiziell und ohne großen Tamtam aus dem Rennen an zweiter Stelle liegend verabschiedete, indem er seinen RFID-Chip der Rennleitung übergab. Das führte wohl bei einigen zu derartiger Verwirrung, dass es ein geordneter Start der Racer ausblieb und ich mich um 7:15hals letzter ambitionierter Racer allein auf den Weg machen mußte. Nach Horst Entscheidung nutzte ich den zwangsweisen Soloritt , um mir abermals ob meines eigenen „Rennverhaltens“ Gedanken zu machen und so gesellte ich mich bereits um 9.00h in Butajera zu einer illustren Kaffeerunde und genoß das morgentliche Treiben. Danach ging es in regenerativer Einheit nach Hosanna, wo ich mit Adam, Luke, Paul, Scott und Tori einen späten Lunch genoss und mich über meinen wiedergefundenen Hunger freute. Folgendes Bild aus einem Tucktuck dokumentiert das Abenteuer:

Tuck Tuck in Hosanna

Tuck Tuck in Hosanna

Ein Doktorandenpärschen aus Cambridge (okay, die Vorstellung war ihrerseits ein wenig elitär🙂 war auf ihrer Fahrt von London nach Kapstadt auf ihrem Tandem (!) in Materialnot geraten und hatten von Aldrick und Sonya (siehe früherer Beitrag aus Luxor) von unserer Route erfahren. So suchten sie uns im Camp auf und baten um höchst widerstandsfähige Mäntel in 26 Zoll. Mit unseren Platz- und Gewichtsbeschränkungen hatte es mich überrascht, dass einer der begehrten Schwalbe irgendwas PLUS überhaupt angeboten wurde, dass von dem Päärchen für den Mantel aber US$ 100 / Stück verlangt wurde, schlug aus meiner Sicht dem Fass den Boden aus und wirft ein schlechtes Licht auf die TdA in der doch sehr überschaubaren afrikanischen Radtourszene. Naja, man kann das Ganze auch anders sehen, wie ich es nach einigen Wochen später sehe.

Tandem in Afrika

Tandem in Afrika

Auch aus diesem Grunde teste ich am nächsten Morgen sofort nach dem Start meine Beine für eine Solofahrt und wurde auch erst zum Munch bei 57km gestellt. In einer sportlichen Gruppe genossen wir dann mit Ausnahme von Paul W. und Paul Sp. einen weiteren Cokestop bei KM 102. Am gestrigen vierten Tag wurde dann wieder stramm gefahren, boten sich die 105 weitestgehend unasphaltierten KM zu einem Ausscheidungsrennen Mann gegen Mann an. Meine Beinen waren wieder da, so dass es mir auch nichts ausmachte, dass ein weiterer Ausreissversuch, etwa einen KM vor dem Ziel am letzten Anstieg gestellt wurde.

Vor uns liegen die härtesten 7 Tage der gesamten Tour mit drei Mando-Tagen (Tag 2, 6 und 7). Wir werden in der Hitze gegrillt werden wie Hühnchen auf dem Drehspiess, Lavastrassen und Geröllfelder werden „Opa Alfons“ und mir alles abverlangen. Wir werden Senken unter 700m durchqueren und Pässe über 2200m erklimmen. Krafteinteilung und Rehydrierung werden darüber entscheiden, wer EFI Marsabit in Kenia erreicht. Insgesamt ist das Feld der EFI-Fahrer dünn geworden – vielleicht noch 25 Fahrer ! Als „prominentestes“, jüngstes Opfer ereilte es Horst, der 2 Tage nach seinem Entschluß mit Schüttelfrost, Fieber und Durchfall auf den Bus stieg. Wie gezeichnet ich selbst von der bisherigen Tour bin, zeigt wohl folgendes Bild:

Arba Minch

Arba Minch

Ich erlebe Afrika momentan sehr bewußt, auch weil ich so „gebrechlich“ geworden bin. Der äthiopisches Teil des „Great Rift Valleys“ ist der landschaftlich bisher reizvollste Teil unserer Tour, auch wenn ich ihn wegen dieser Gebrechlichkeit nicht in vollen Zügen geniessen kann. Jeder Gang zur „Toilette“ kann großes Unheil ankündigen, das folgende Tage kurzerhand in einer Tortur verwandelt. Einwirkliches Eintauchen in Afrika (siehe über mich) ist weder als Racer noch als Expeditionsfahrer möglich, doch sind es unzählige Momente untrerwegs, die mir quasi als Visitenkarte in Erinnerung bleiben und auf möglichst viele dieser Momente freue ich mich jeden Morgen…

(* eines späten Vormittags stürmten mindestens 100 Kinder und Jugendliche von beinden Seiten in Richtung Strasse, um uns unter großen Geschrei abzufangen. Ich klingte mich sofort aus einer 5er Gruppe, die sich dann alsbald etwa 10m vor mir befand und sah mit an, wie, wie in einem Clever und Smart Kartoon, Dutzende von Steinen die Strasse kreuzte.)


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