Verfasst von: Dennis K. | 30. März 2011

Interessanter Artikel aus der NZZ

Liebe Leser, liebe Freunde, danke alter Schulfreund,

während die Frösche im unweiten Schilf laut quaken und die Geräuschkulisse höchst tropisch ist, lese ich einen Artikel aus der NZZ, den ich zeitnah von einem Kindergarten- und Schulfreund übersandt bekam – Hendrik, dafür besten Dank. So auch einen Dank an Kalle und Rolf O. für dieVersorgung mit anderen Presseberichten ! Die NZZ möge mir den Urheberverstoß nachsehen. Im Übrigen freue ich mich riesig über die zahlreichen Kommentare, Emails bzw. Facebooknachfragen, die mich in den letzten Wochen erreichten.

Ich kann nur hoffen, dass meine Kurzberichte den einen oder anderen mal dazu ermuntern werden, seine eigenen verrückten Träume zu verfolgen. Für mich war es definitiv der Blog von Hardy B., in den ich noch immer ein wenig naseweiss nachlese, was mich in den nächsten Tagen erwarten könnte… www.hardyradelt.de

Es grüßt Euch

Dennis

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From: Hendrik H.
Date: 30. März 2011 17:42:15 GMT+03:00
To: K. Dennis
Subject: Interessanter Artikel aus der NZZ

Ich habe einen interessanten Artikel in Neue Zürcher Zeitung vom 30.03.2011 gefunden:
Afrika-Expedition auf dem Fahrrad

Die Tour dAfrique ist das längste und härteste Velorennen der Welt – zwischen Extremsport und Pfadfinder-Romantik

In vier Monaten mit dem Rad von Kairo bis nach Kapstadt – die Tour dAfrique lockt seit 2003 trotz enormen Strapazen viele Abenteuerlustige an. Seit Januar sind wieder 63 Teilnehmer unterwegs, darunter der Autor dieses Beitrags.

Hardy Grüne, Mbeya, Tansania

Die Erfüllung eines Lebenstraumes kann eine schweisstreibende Sache sein. Vor allem, wenn es sich um eine Trans-Afrika-Expedition auf dem Fahrrad handelt. Seit zweieinhalb Monaten bin ich mit 62 weiteren Radenthusiasten dabei, den Traum einer Afrika-Durchquerung mit Leben zu füllen. Tausende Kilometer haben wir an der Tour dAfrique schon hinter uns gebracht. Wir schwitzten bei Temperaturen von mehr als 50 Grad, radelten durch eine Wüste und erklommen einige der höchsten asphaltierten Berge Afrikas.

123 km täglich, 4 Monate lang

Die Tour dAfrique ist das längste, härteste Radrennen der Welt. Auf über 12 000 Kilometern führt sie in vier Monaten durch Ägypten, den Sudan, Äthiopien, Kenya, Tansania, Malawi, Sambia, Botswana und Namibia bis Südafrika. Wir starteten am 15. Januar in Kairo; wenn wir am 14. Mai Kapstadt erreichen, werden wir pro Tag durchschnittlich 123 Kilometer gefahren sein.

Die Tour dAfrique ist nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern auch eine enorme mentale Aufgabe. Der Start in Ägypten war noch einfach. Nachdem wir die chaotische Metropole Kairo mit einer Polizeieskorte hinter uns gebracht hatten, empfing uns die Ruhe der Wüste und des Niltals. Spätestens mit der abenteuerlichen Überfahrt in den Sudan auf dem überfüllten Deck eines rostigen Fährschiffs nahm das Radabenteuer konkrete Formen an. Während in Ägypten die Revolution ausbrach, kurbelten wir ahnungslos durch die schiere Unendlichkeit der Nubischen Wüste. Wir sahen – abgesehen von einigen Nomaden – kaum eine Seele und tauchten erst 1000 Kilometer später in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wieder «im Leben» auf.

Die Wüstendurchquerung lehrte uns, dass diese Tour keine gewöhnliche Trans-Afrika-Expedition ist. Sie ist eine Reise durch das Innere Afrikas – und in das innere Ich. Die Strapazen der Tagesetappen bei Temperaturen in den hohen Vierzigern hinterlassen körperliche Spuren. Rudimentäre Bedingungen in nächtlichen Wüstencamps, wo es keine Duschen, keine Toiletten gibt, bringen uns Wohlstandskinder an die Grenzen der mentalen Belastbarkeit.

Der Tagesablauf ist strikt. Morgens um 5 Uhr klingelt der Wecker, danach: Zelt abbrechen, Ausrüstung im Wagen verstauen. Um 6 gibt es Frühstück, spätestens um 7 sind wir auf der Strasse, um der grössten Hitze zu entgehen. Das Tagesziel erreichen wir – je nach Ehrgeiz und körperlicher Verfassung – in drei bis zwölf Stunden. Im Camp wird wieder das Zelt aufgebaut, der Körper mit einer nahrhaften Suppe verwöhnt, Entspannung gesucht – was unter Afrikas Sonne oft einer unlösbaren Aufgabe gleichkommt. Die Rahmenbedingungen erinnern an Pfadfinderzeiten. Wasser gibt es bloss zum Trinken und zum Händewaschen. Statt einer Toilette gibt es Schaufeln, mit denen die «Geschäfte» verscharrt werden. Gekühlte Getränke sind nur ein Traum, das Essen kommt aus einer besseren Feldküche. Nein, Erholungsferien bietet die Tour dAfrique nicht.

Für die medizinische Versorgung ist Mathias Hediger zuständig, der einzige Schweizer auf der Tour. Der 37-jährige Rettungssanitäter aus dem Entlebuch erfüllt sich einen Lebenstraum. «Ich erfuhr vor einigen Jahren von der Tour und war sofort fasziniert. Es ist eine phantastische Gelegenheit zu sehen, was in Afrika tatsächlich los ist», sagt Hediger. Die medizinische Verantwortung wahrzunehmen, ist jedoch nicht einfach. «Wir sind an entlegenen Orten unterwegs. Spitäler und Rettungswagen sind häufig nicht vorhanden», sagt Hediger. Wenn einem Fahrer etwas zustösst, stehen er und seine Helfer vor enormen Herausforderungen. «Das beginnt schon mit der Frage, wie ich schnellstens zum Unfallort komme.» Schwere Unfälle sind selten. Meistens bekommt es Hediger mit Magenproblemen wegen der Ernährungsumstellung und der körperlichen Anstrengungen zu tun. Zudem schlagen vielen Fahrern die schlechte Wasserversorgung, die Hitze, der Stress auf den Magen.

In Äthiopien war auch ich von Durchfall betroffen und musste für einige Tage vom Sattel steigen. Wie so viele büsste ich damit den EFI-Status ein, den fast jeder Teilnehmer als Ziel verfolgt. EFI steht für Every Fabulous Inch – jeder grossartige Zentimeter. Damit ist die Auszeichnung gemeint, die nur jenen Teilnehmern verliehen wird, die am Ende wirklich jeden Zentimeter von Kairo bis Kapstadt im Sattel zurückgelegt haben.

Touristisch ist die Tour dAfrique eine Reise abseits der ausgetretenen Pfade. Die Höhepunkte liegen im Hinterland. Im Sudan kämpften wir uns tagelang über eine Schotter- und Sandpiste, entlang einer vor langer Zeit von den Briten errichteten Bahnlinie, die seit vielen Jahrzehnten brachliegt. Die einst pulsierenden Gemeinden entlang der Bahnlinie sind längst wieder zu verschlafenen Nestern geworden. In Äthiopien kurbelten wir uns die höchsten Anstiege der Tour hinauf, bis aufs «Dach der Tour» auf 3211 Metern.

Highway im Schneckentempo

Den gefürchteten «Höhepunkt» erreichte die Tour im Norden Kenyas, wo sich unser Tross 500 Kilometer lang über eine der schwierigsten und gefürchtetsten Pisten Afrikas quälte – den Trans-East African Highway. Dabei handelt es sich ungeachtet des protzigen Namens um einen von bis zu schweinskopfgrossen Lavasteinen übersäten Feldweg ohne Asphaltdecke, über den wir uns bei brütenden Temperaturen mit teilweise weniger als fünf Kilometern pro Stunde schleppten.

Es war eine Erinnerung an jene Umstände, unter denen die Tour 2003 begonnen hatte. «Damals gab es zwischen Kairo und Malawi fast keine asphaltierten Strassen. Bei Regen blieben wir regelmässig mit den Trucks stecken und die Radfahrer trafen mitunter vor uns im Camp ein», sagt der Tour-Pressesprecher Cristiano Werneck. «Die Chinesen sind nun daran, alle wichtigen Strassen des Kontinents zu asphaltieren.» So ändert sich auch die Charakteristik des Rennens, nähert sich die Romantik der Tour dAfrique dem Ende.


Responses

  1. Alter, gib Gummi nur 9 Stunden auf den 3. Platz!!!
    Gruß,
    Kalle

  2. Sind nur noch ca. 6h, da die letzten beiden Etappen fehlen. Jetzt kommt wieder mein Terrain, aber die Opportunitätskosten sind einfach zu hoch😉 – die nächsten 1000 und dann 1500km sollten mir liegen…

    Kette rechts,

    Dennis

    • OK, dann bin ich beruhigt. Dachte mir ein kleiner Ansporn bei der Radeltour kann nicht schaden:) Gruß, Kalle


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