Verfasst von: Dennis K. | 9. April 2011

His Royal Highness Honourable Chief Nyalugwe

Afrika meint es momentan wieder sehr gut mit mir. Nach einem unglaublich harten, aber erfolgreichen Renntag über 141km erreichte ich in einer hervorragend zusammen arbeitenden 5er Gruppe mit Paul W., Horst, Adam und Anthony bereits um 10:30h unser drittes Camp in Sambia. Die letzten 20km ging es in eine menschenleere Senke unmittelbar an der Grenze zu Mosambik, in der uns eine extrem schweisstreibende Schwüle erwartete. 3km von unserem Camp an einer verwaisten Schule befand sich ein sambisches Dorf, das wie viele andere hier weder an das Stromnetz angeschlossen ist noch über Mobilfunkabdeckung verfügt. Ein verrostetes Schild mit der Aufschrift „Santa’s Nest – icecold beers“ weckte mein Interesse und so machte ich mich um die Mittagszeit mit Liam und Nick zu Fuss in Richtung eben dieses Dorf.

Auf halben Weg begleiteten uns drei kleine Jungs, die ein bißchen englisch zu verstehen vorgaben, uns leider aber nicht wirklich weiterhelfen konnten. Nach kleinen Umwegen gelang es uns doch noch, das Nest des Weihnachtsmanns ausfindig zu machen und es überraschte mich eigentlich kaum, dass uns die Kühltruhe des Weihnachtsmanns nur lauwarme Cola offenbahrte. Ich bestellte dann auch 2 Cola und eine Sprite für 9000 sambische Kwacha, was $ 2 entspricht und gab eine Cola dem ältesten Jungen, der malariabedingt einen Arm verloren hatte, und bat ihn, diese mit den anderen Beiden zu teilen, was er auch bereitwillig tat.

An Bambusmatten saßen Bewohner des Dorfes, die aufgrund ihres Äußeren wohl eine höhere Stellung in der Dorfgemeinschaft inne hatten und uns auch sofort einen Platz mit ihnen im Schatten anboten und unsere Fragen bereitwillig beantworteten. Nach kurzer Zeit erfuhren wir, dass der Besuch des Königs unmittelbar bevorstand. Wir konnten uns anfänglich darauf keinen Reim machen bis, nach und nach, immer wichtiger ausschauende Funktionäre ihren Weg in unser Bambusrund fanden.

Auf einmal stand er vor uns: His Royal Highness Honourable Chief Nyalugwe, König des Districts Luangwe, einem 170km*100km großen Königreich im Osten Sambias. Ein wenig schmächtig, gut gekleidet mit Lederschuhen, goldenen Manschettenknöpfen und einer angsteinflößenden goldenen Uhr. Er war in seiner Aufgabe als MP, Member of Parliament of Zambia, auf dem Weg nach Lusaka und hatte eine ganze Entourage im Schlepptau, so z.B. seine einzige Frau, seine jüngste Tochter, seinen Leibwächter und eine Handvoll sonstiger Untertanen. Uns gegenüber gestand er ein wenig demütig ein, dass er lediglich einmal verheiratet und lediglich Vater von fünf Kindern sei. Als er von Liam, Nick und mir erfuhr, dass keiner von uns verheiratet sei und wir keine hätten, schüttelte ein wenig verständnislos den Kopf zumal wir zusammen deutlich über 120 Jahre alt waren, wir er ironisch feststellte.

Zu Ohren war ihm auch gekommen, dass eine große Gruppe Mzungus auf dem Weg von Kairo nach Kapstadt in seinem Königreich zu nächtigen gedachte, die allesamt mit Fahrrädern unterwegs waren. in diesem Moment brachte ihm ein Untertan recht unterwürfig ein Castle Beer, das der genüsslich aus der Flasche trank und sich dabei eine Zigarette ansteckte. Wir hatten viele Fragen über seine Aufgaben und Befugnisse und His Royal Highness beantwortet alles geduldig und präzise. Ein wenig beunruhigt wurde er als gegen 1500h noch immer langsamere Fahrer auf der Straße erblickte, denn um diese Zeit würden ja die zahlreichen Löwen aktiv. Naja, manchmal ist es doch von Vorteil ein Racer zu sein, denn nach seiner Auskunft lägen die Löwen um diese Zeit noch faul im Schatten.

Als ich ihn um ein Bild bat, willigte er umgehend ein, bestand aber darauf, dass sein Bodyguard mit auf dem Bild sein müsse. Dem Wunsch des Königs wurden wir selbstredend gerecht ud so entstand folgendes Bild von dem König Liam und mir

Dass ich Euch keinen verspäteten Aprilbären aufbinde, zeigt seine Visitenkarte, die er uns überreichte. Bei meinem nächsten Besuch in Sambia werde ich in einem Palast schlafen ! Bitte schickt dem König keine doofen SMS, er war echt nett !

Danach entschuldigte er sich höflich und machte es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich. Frau, Kinder und der stämmige Bodyguard nahmen auf den hinteren Sitzen Platz.

Lieber König, es war schön bei Dir!

Es grüßt Dich hochachtungsvoll,

Dennis


Responses

  1. was für eine köstliche Geschichte……
    ich war ja auch in Santas Nest, aber solch honorige Begegnung hatten wir nicht…..Sachen gibts……super…..weiter so, Dennis!!
    Gruß
    Hardy

  2. moin,

    dennis und sein weltweites netzwerk ;-)!

    ich hoffe, dass du weiterhin solche interessanten geschichten gemeinsam mit deinen racern erlebst!!!

    viele grüße aus dem sonnigen deutschland …

  3. Lieber Dennis, Du machst das TipTop, bin stolz auf Dich😉 Frue mich schon auf alle wieteren Berichte, insbesondere wenn wir uns wiedersehen! En liebe Gruess

  4. Danke ihr Lieben für die aufmunternden Worte, hoffe, dass ich heute ein wenig Kraft tanke. Schaut mal in den nächsten Tagen auf dem Leaderboard vorbei, ist als Belohnung für meine Mühen ordentlich Bewegung reingekommen. The Race is on, auchnwenn ich mit Sicherheit die unglücklichsten GRACE DAYS habe. jeder darf seine 5 längsten NON-Mandoday am Ende abziehen, was alles wieder auf den Kopf stellen wird.

    Werde dann in Namibia entscheiden, ob mir Landschaft oder Race mehr Wert ist, wenn ich denn überhaupt gesund bleibe ! So Long, Dennis


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