Verfasst von: Dennis K. | 21. April 2011

Vic-Falls: überwältigt, unternehmungslustig aber auch ein wenig nachdenklich

UPDATE: sorry, aber habe es mangels zuverlässiger Internetverbindung nicht geschafft, die versprochenen Bilder nachzuliefern… Hier in der Lodge gibt es nur ein Satelliteninternet, das bei Bewölkung und 30 Clients ganz schön zu arbeiten hat. Meine Simkarte funktioniert im Handy, nicht aber im Notebook… wahrscheinlich irgendeine Sperre.

Nach ziemlich genau 3 Monaten und ca. 8400km sind wir an den Victoria Falls angekommen, an denen wir zwei (!) Ruhetage genießen durften. Wie bereits zuvor berichtet, konnte es denn Racern nach einer Bummeleinlage zum Lunch nicht schnell genug gehen und mit einem 42er Schnitt ging es windunterstützt nach Livingston, einem extrem boomenden Städtchen, was sein Wachstum wohl hauptsächlich Herrn Robert Mugawe aus dem benachbarten Simbabwe zu verdanken hat. Der gesamte Vic-Falls Tourismus hat sich nach Sambia verlagert, zu unsicher scheint den Touristen und Investoren noch immer die politische Lage in Simbabwe.

Unser Camp schlugen wir in der Zambezi Waterfront Lodge auf, und es hatte unmittelbaren Zugang zum Sambesi-Fluss – schlicht und ergreifend herrlich. Leider waren alle Zimmer und Chalets der Lodge ausgebucht und das benachbarte noble „David Livingston Hotel“ rief US$ 315 / Nacht und DZ auf. Somit entschied ich mich für den Aufbau des Taj Mahals, wie mein Zelt von meinen Kollegen gerne genannt wird. Eine Würdigung meiner Ausrüstung bekommt Ihr erst in Kapstadt, mein Hille Keron 3GT möchte ich auf einer solchen Tour auf keinen Fall missen (gestern Nacht in Nata, Botsuana hatten wir von 3-7 Uhr Wolkenbruch und ungemütlich wurde es erst, als ich Hille zusammenzulegen hatte).

Für 16:30h wurde uns eine Bootsfahrt angeboten und da wir ein wichtigstes Etappenziel erreicht hatten, handelte es sich bei dieser Bootsfahrt um eine „all-you can drink“ Veranstaltung mit reichlich Fingerfood. Grundsätzlich wird hier auf der TdA recht verhalten getrunken, zu hart sind die körperlichen Anforderungen. Luke, ein 38jähriger zäher und lebenslustiger Australier schlug im trocken gelegten Sudan bei Freunden in der britischen Botschaft derart über die Stränge, dass er am folgenden Tag im (Hitze)Delirium den Lunch erreichte und danach seinen EFI verlor.

Nicht so am ersten Tag in Livingston, es wurde kräftig dem GIN-Tonic gefröhnt und das sambische Mosi-Bier floss auch in rauen Mengen. Bestaunten wir noch zum Sonnenuntergang erfürchtig unser erstes 3m-Krokodil im Sambesi, forderten die ersten Gin-Freude die Reptilien zum gemeinsamen Mondscheinschwimmen auf, worauf der Kap’tän unsere all-can-drink Party abrupt beendete.

An der Bar der Waterfront Lodge ging es dann weiter. Vom GIN-Durst gezeichnet torkelte ich dann gegen 23h in mein Zelt, sollte es am nächsten Morgen doch für mich bereits wieder früh weiter gehen.

So hatte ich um 6:00h mit 5 weiteren TDAlern eine 2 1/2h Minisafari im kleinsten Game Reserve Sambias gebucht, dem Mosi-oa-Tunya Park. Die Bilder der Krokodilgeschichte an meine kleinen Nichten und an mein stattliches Patenkind entstammen allesamt diesem Ausflug, aber psssst, bitte nicht weitersagen….

Es war richtig nett und wir hatten einen herrlichen CoffeeStop direkt am Sambesi. Danach ging es zum Frühstück in das „David Livingston“ nebenan und es ist immer wieder erstaunlich, was hungrige TdAler während eines 2-stündigen Frühstücks so wegmampfen können. Ich hatte nachher einen Koffeinflash von meinem 5 Cappuchinos und mindestens 8 Eier, sowohl gerührt als auch gespiegelt, gesellten sich zu ebenso vielen Muffins – zumindest in Vic-Falls war ich auf dem besten Weg zu einer positiven Kalorienbilanz.

So gestärkt machten wir uns kurz nach 11uhr auf zu den berühmten Wasserfällen. Irgendwie hatte ich den Wunsch, diesen Meilenstein unserer Reise auf meinem „Opa Alfons“ zu absolvieren, ein Wunsch, den meine Begleiter auch noch teilen konnten. Dass ich allerdings im Bikedress unterwegs war, provozierte den einen oder anderen Seitenhieb, schmückte abermals Champions-Training.de meine Brust. Eine happige, aber im Grunde nachvollziehbare Preisdifferenzierung bahnte uns den Weg – 92.000 sambische Kwacha für Mzungus, 5000 für große, 2000 für kleine Sambier – und die Tore öffneten sich zu einem der bemerkenswerten Naturschauspiele, die unsere Welt bieten hat.

man beachte die Schuhe

man beachte die Schuhe

mit Tori and "sectional" Anthony

mit Tori and "sectional" Anthony

Victoria Falls

Victoria Falls

landunter

landunter

Scott and I

Scott and I

mehr sieht man selten....

mehr sieht man selten....

Der im Moment prall gefüllte Sambesi stürzt über eine Breite von 1700m über 100m in die Tiefe und produzierte dabei ein unbeschreibliches Getose und eine Gischtwand und Regenbogen, die mir eine Beschreibung müßig erscheinen lassen. Der ganze Park ist ein moosbedeckter Urwald. So steht man an einem Moment unter blauen Himmel vor der tosenden Gischtwand und einer kleiner Windhauch genügt, um diesen eben noch lieblichen Fleck in einen Wasserfall neben dem Wasserfall zu verwandeln – schlicht und ergreifend unbeschreiblich nach über 8.000km auf dem Radl… Ich hätte mehr als die 2 Stunden hier verweilen können, aber einige meiner TdA-Freunde wollten sich an einem Bungee noch in die Tiefe stürzen, während ich mit 2 Cheeseburgern, 3 Mosis und 3 Sprite und einem Eis mit Schokoladensauce noch ein wenig an meiner Kalorienbilanz arbeiten wollte. Erschöpft von den Eindrücken ging ich früh ins Bett, wartete doch am frühen Morgen mein (kommerzielles) Highlight auf mich:

Ein 30-minütiger Flug im offenen Motordelta über die Fälle, die angrenzenden Schluchten, das weltberühmte Victoria Falls Hotel auf simbabwischer Seite, den „Upper Zambezi“ und den gestern besuchten Mosi-Game Park. An alle mitlesenden Golfsenioren: der Elephants Golf Course auf simbabwischer Seite wir seinem Namen wirklich gerecht. Neben Dutzenden von Impala und Wilderbeast hatte sich auch eine kleine Herde Ellis auf die Fairways verirrt. Gepflegt sah dieser einst weltbekannte Golfplatz am Ufer des Sambesis leider nicht mehr aus:

Start mit Bill

Start mit Bill

Über den Vic-Falls

Über den Vic-Falls

nochmals Vic-Falls

nochmals Vic-Falls

Ehrenrunde übers Camp

Ehrenrunde übers Camp

Meine Befürchtungen wegen meiner Höhenangst verflüchtigten sich bereits beim Start, ich habe noch nie ein so cooles und gleichzeitig erhabenes Gefühl in der Luft erlebt und mit dem Schotten Bill auch einen tollen Begleiter auf meinem (Delta)Jungfernflug gefunden, der mir auch das Ruder für einige Momente überließ. Ich hoffe, die Bilder können das Erlebte nur ansatzweise beschreiben ! Leider durfte ich diese Bilder aus Sicherheitsgründen nicht selber machen, zu groß ist die Gefahr, dass Kleinigkeiten den Weg in Propeller am Ende des Vogels finden…

Part2 folgt


Responses

  1. Hi Furnace,
    dann habt Ihr an den Vic Falls ja nur das Rafting ausgelassen:) Deine Bericht lesen sich nach wie vor toll und bin ganz begeistert wie Du die Platz 2 unter den Nagel gerisen hast. Hoffe es macht auch ein wenig Spass. Nachdem ich die Tage bei ca. 180 Watt auf der Rolle nach einer Stunde vom Fahhrad gefallen bin, fällt es mir schwer vorzustellen wie Du 5 Stunden bei 250 auf dem Bock bleibst:) Wünsche Dir weiterhin volle Gesundheit und tolle Erlebnisse.
    Gruß,
    Kalle

  2. Hoi Kalle,

    war mir schon klar, dass Du zu wenigen gehörst, die sich tatsächlich die Leistungsdaten angucken. Aber in der Tat, mit den reinen (!) Leistungsdaten kann ich sehr zufrieden sein. Mit 290 Watt gehört man beim Ironman schon zur Weltspitze😉, aber 5h auf dem Zeitfahrrad ist eh nur was für Harte.

    Paul Spencer wurde durch die Malaria deutlich zurückgeworfen. Trotzdem habe ich seit knapp 2000km wirklich Gas gegeben, mal gucken wohin das führt: Adam fährt im Moment nur Kette rechts.

    LG aus Maun
    Dennis


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: