Verfasst von: Dennis K. | 27. April 2011

Kräftiger Fistfight in (mit) Botsuana, Dennis holt sich eine blaue Nase

Etappe 80, EFI, 164km bringen und nach 9959km total nach Windhoek!
Etappe 79, EFI, 161km und 9795km total
Etappe 78, EFI, 207km bringen uns nach 9634km total nach Namibia !

TdA-Fahrer vor einer Gewitterfront - Bild von Kristian Pletten

TdA-Fahrer vor einer Gewitterfront - Bild von Kristian Pletten

Lieber Heinz Sp., (lieber Freunde, liebe Leser,)

Deine Liebe zu Botsuana kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht uneingeschränkt teilen. Obwohl Du ja ein ähnlich verrückter Radler bist, müsstest Du mir eigentlich zustimmen, dass das Rennrad nicht das bevorzugte Fortbewegungsmittel in Botsuana sein kann. Mit einem Jeep und dem Schlafzelt auf dem Dach, kann es es mir bei der hiesigen Fauna und den Weiten des Landes aber doch schon sehr schön vorstellen…

Startete mein Encouter mit unserem 8. Land auf den ersten 4 Etappen noch vielversprechend, so habe ich doch auf den letzten vier Etappen über die Ostertage kräftig Prügel bezogen. Aber der Reihe nach:

Nach dem abenteuerlichen Ritt mit der Pontonfähre an der Stelle, an der der Chobe-Fluss auf den Sambesi trifft, an der einzigen Stelle auf dieser Erde, an der 4 Länder (Sambia, Botsuana, Simbabwe und Namibia)* ihre Grenze ziehen, erreichten wir schnell einen tollen Campingplatz in Kasane und hatten die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Bootssafari – wahrscheinlich meiner letzten Safari vorerst.

Dämmerung auf dem Chobe-Fluss

Dämmerung auf dem Chobe-Fluss

Nach dem unbeschreiblichen Sonnenuntergang und einer tollen Stimmung während der noch immer sehr zügigen Dämmerung umschwirrten uns schnell Abermillionen Dragonflies, ohne uns aber jemals zu berühren – ein sehr komisches Gefühl.

Am Abend wurden wir von einem pensionierten Rhodesischen Haudegen entsprechend vorbereitet, wie man sich zu verhalten hat, wenn man auf den nächsten 1200km auf Großwild trifft. Der Hintergrund dieser Geschichte ist, dass Henry Gold, der Gründer der TdA, vor wenigen Wochen in Indien von einem Elephantenbullen derart grob von seinem Rad geholt wurde, dass er froh sein kann, wenn er überhaupt noch einmal schmerzfrei radfahren kann. Er wurde umgehend nach Kanada ausgeflogen.

Dieser Elephant war hinter Alice her - so schnell war Alice noch nie auf dem Rad gesehen

Dieser Elephant war hinter Alice her - so schnell war Alice noch nie auf dem Rad gesehen

Wie bereits erwähnt, trafen wir dann wirklich gleich auf unserer ersten Botsuana-Etappe auf zwei RIESIGE Elephanten, ein tolles Gefühl, obwohl ich ehrlicherweise zugeben muss, dass mir ein wenig mulmig war, da ich mir immer wieder vorstellte, dass es ebenso auch Löwen hätten sein könnten.

In der Tat zeigte mir der Rhodesische Haudegen dann auch Löwen- und Leopardenspuren am Lunchstopp und unsere Tourchefin Sharita entschied, unser Camp um 15km zu versetzen, weil sie auf frische Löwenspuren und eine Python traf als sie das Busch-Camp nochmals am Morgen scoutete.

Danach wurden die Tage aber eher eintönig und ich war auch wieder mit dem Rennen beschäftigt, mit dem ich Euch jetzt zunächst aber nicht behelligen werde. Im Moment wird halt das Podium hinter Paul Wolfe geformt und nach Windhoek geht es nochmals ein paar Tage in den Dirt und mit dem hab ich es ja nicht so. Daher versuche ich halt immer noch, Jörg jeden Tag ein paar Minuten einzuschenken, zumal dieser momentan anderen (zwischenmenschlichen) Interessen zugetan scheint. Auch darf ich Adam nicht gänzlich aus den Augen verlieren, er fährt momentan bärenstark, arbeitet gut mit Paul W. zusammen und ist sehr tempohart.

Aus diesem Grunde habe ich es in Maun an unserem Ruhetag auch sehr sehr ruhig angehen lassen. Ein Scenicflight über das Okawangodelta habe ich mir nicht gegönnt, neben Zeit und Geld wollte ich mich nach dem tollen Deltaflug an den VicFalls nicht nochmals konkurrierenden Reizen aussetzen😉

Am Tage nach unserem Ruhetag, am Ostersamstag, ging das Elend dann los. Es standen 157km an und wir waren kaum aus Maun raus, da klinkte ein im Gruppenfahren nicht so versierte Kollege bei Adam ein und ging zu Boden – Unklarheit, wie mit dem Stoppschild zu verfahren sei, war wohl der Grund.

Ich war mal wieder der erste dahinter kam nicht mehr herum und fuhr dem armen, bereits am Boden liegenden Kristian voll in den Rücken und flog dann selbst im hohen Bogen über den Lenker. Zum Glück passierte das alles bei weniger als 15km/h, aber auch dieser Aufprall war hart und traf mich am Ellenbogen. Meine erste Sorge galt „Opa Alfons“, denn ohne Opa Alfons kein Radfahren und ohne Radfahren kein EFI in Kapstadt. Opa Alfons erfreute sich bester Gesundheit, leider war ich noch ein wenig benommen und begutachtete frustriert die Schürfwunden am Ellenbogen. Am rechten Unterbauch nahe der Hüfte blutete ich ein wenig, ein Pflaster würde es schon richten – nach kaum 5min ging es weiter. Kristian hatte im Übrigen kaum was abbekommen🙂

Mein Ellenbogengelenk war zum Glück schmerzfrei, aber die Schürfwunden selbst schwollen merklich zu, zudem zwickte die Stelle am Bauch. Mit Adrenalin im Blut lässt sich im Übrigen vorzüglich Rennen fahren, leider lässt die Wirkung dann irgendwann nach.

Bei KM 80 zum Lunch hatte zum Glück unser eidgenössischer Sanitäter Matthias von der Air Zermatt Dienst und nahm sich meiner an. Der Ellenbogen machte ihm nicht so Sorgen, eher das Loch unter dem mittlerweile von Blut durchnässten Pflaster. Ich teilte den Racern mit, ruhig ohne mich zu fahren, sie hatten freundlicherweise gewartet, da ich noch ein wenig den Reparaturdienst in Anspruch zu nehmen hätte, und so griff Matthias nach einer sorgfältigen Wundreinigung zu Nadel und Zwirn. Zu allem Übel hatte ich die verbleibenden 75km dann noch weitestgehend solo zu fahren. Jetzt gilt es besonders die beiden Wunden steril zu halten, was eigentlich hier im südlichen Afrika möglich sein sollte. Keeping fingers crossed.

Ostersonntag versagte dann auch noch der Reissverschluss an meinem Hille, was sich schon in den letzten Wochen ankündigte. Mit einer Rolle Panzerband verbarrikadierte ich den Haupteingang und schleich mich nunmehr immer durch die Hintertür rein. Ab Windhoek sollte der restliche Trip eigentlich malariafrei sein, so dass ich mich wohl nicht mehr zwingend um einen neuen Reissverschluss kümmern muss. Weiter lässt sich seit Ostersonntag mein SRM-Tacho nicht mehr laden und wer mich kennt, weiß ja, dass mir ohne mein Informationszentrum das Radfahren keine rechte Freude bereiten will😉 und ich mich immer komplett blind fühle – all das unmittelbar vor der Königsetappe der TdA mit 207km:

Zur Verwunderung meiner Rennkollegen war ich einer der ersten am Start. Die meisten Expeditionsfahrer und nicht so ambitionierten Racer waren schon unterwegs als es für uns um 6:50h in einer 6er Gruppe auf sie Piste ging. Nach etwa 60km hatten wir die schnellste noch verbliebene Gruppe eingeholt und gingen mit ihr zum Lunch – bis dahin hatte es schon über eine Stunde empfindlich geregnet. Paul Wolfe („this is not an eating contest“) und Adam hielten den Lunch kurz und schon befanden sich Paul Spencer und ich in der Verfolgung. Die beiden hielten das Tempo nach dem Lunch extrem hoch, so dass wir Jörg aus unserer 3er Gruppe fuhren, was mir ja prinzipiell zusagte. Jörg fährt ausgezeichnet auf Dirt, aber ab 45km/h wird es bei ihm auf Asphalt mau. Als die beiden merkten, dass wir nur noch zu zweit in der Verfolgung waren, nahmen sie raus und wir formten eine 4er Gruppe, mit der zunächst alle zufrieden waren und die dann unmittelbar zu Horst, dem letzten verbliebenem Fahrer aufschloss. Mit Ausnahme von Big Bram waren die besten Asphaltfahrer mit Paul W., Paul Spencer, Adam, Horst und mir beisammen und wir rotierten im Kilometertakt.

Bei Km 130 fuhren wir in eine unbeschreiblich dunkle Gewitterfront und neben Platzregen und Hagel machten uns gerade die stürmischen „headwinds“ zu schaffen. Ich musste zwangsweise an Erik Zabels Worte denken, als wir phasenweise mit 22km/h im Wind fuhren und Schutz am Hinterrad suchten.

10min später brach die Hölle los

10min später brach die Hölle los

Die Getränkeverpflegung bei KM 152, die es nur auf den härtesten Etappen gibt, liessen wir aus und bei KM 170 war der Gewitterspuk fürs Erste vorbei und wir hatten teilweise sogar unterstützende Seitenwinde und ich konnte die erste subversive Führungsarbeit machen, die Spencer mit einem wenig verkniffenen Lächeln wegsteckte.

Als Adam dann bei KM 185 platt lief, war ein wenig die Spannung raus. Paul W. sprintet als Führender selten, Horst fährt nicht mehr auf Zeit, so verblieben nur noch Spencer und ich. Spenc wartete förmlich auf meinen Antritt bei KM 203, Wolfe genoss seinen Logenplatz und ich konnte selber das Tempo kaum einen halben KM schmerzhaft hoch halten und war mit der ganzen Situation eh zufrieden. Spencers finalen Sprint konnte ich, wiederum im Platzregen, nicht folgen.

CONGRATS Spenc, the paindiSPENCER is back ! Great work only 3 weeks after being diagnosed malaria and a severe stomach bug !

207km - Mandoday in Botswana check out the rain in the background

207km - Mandoday in Botswana check out the rain in the background

Bei strömendem Regen machten wir uns an die botsuanischen Ausreiseformalitäten, als wir die namibische Einreisevisas erhielten, schien wieder die Sonne. Wenn das nicht mal ein gutes Omen ist. Nach diesen umfangreichen Update hört Ihr wieder in Windhoek von mir, bis dahin werde ich mal Schalke die Daumen halten !!

Vielen Dank für die netten Osterwünsche via Email, Kommentar oder Facebook, ich habe mich wirklich riesig gefreut. Ganz gespannt bin ich jetzt auf Namibia, neben dem Sudan, Tansania und Malawi, das Land, auf das ich mich am meisten gefreut habe !!

So long, es grüßt Euch,

Dennis

* @ Goran: 4 Fliegen mit einer Fährfahrt


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