Verfasst von: Dennis K. | 28. Januar 2012

Koh Phi Phi und die normative Kraft des Unvermeidlichen

Beeindruckender Blick aus der Maya Bucht auf Kho Phi Phi Lee – „The Beach“

Waren wir bisher immer mit dem Longtail auf Fährverbindungen unterwegs, „beseelte“ uns der Wunsch, die legendäre Inselwelt Kho Phi Phis kennzulernen. Nach unseren ersten Eindrücken des Massentourismus auf Phuket und die zahlreichen Phi Phi – Angebote in Krabi Town hätte man sich eine Eintages-Tour auf dem Speedboat zur Hauptreisezeit eigentlich schenken müssen. Aber manchmal will man eben nicht hören auf die normative Kraft des Unvermeidlichen.

So waren Kasia und ich uns doch zu einig, dass wir die Phang Nga-Bucht ohne einen Besuch von Phi Phi nicht verlassen wollten. Im Nachhinein ärgere ich mich über meine Bequemlichkeit. Für 1200 Baht (30€) sollte uns eine geführte Speedboat-Tour die drei Inseln Koh Phi Phi Don, Leh und Bamboo Islands „näher bringen“. Mit dem eigenen Longtail nur für uns hätte es zwar nur für zwei Inseln gereicht, es wäre aber zumindest persönlicher und kaum teurer geworden.

Die nette Dame von Otto zwinkerte uns bereits beim Buchen zu, wir sollte doch lieber nach Koh Roc oder auf eine andere noch „unberührte“ Insel. Wer nicht hören will, muss fühlen. So donnerten wir mit 50 Sachen unserem Unheil, bzw. „The Beach“ entgegen.

Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass ich den Film bis heute nicht gesehen habe, aber jetzt durchaus nachvollziehen kann, dass es hier in den 90er Jahren durchaus paradiesisch WAR. Jetzt kommt man sich nur noch vor wie in einer asiatisch-europäischen Sardinendose:

Geradezu skurriler Blick in die Bucht vom gleichen Standort

Als zweiter Stop stand ein halbstündiger Schnorchelausflug am Hat Yao an. Diesmal schlauer – ich liess mein T-Shirt an- bestaunte ich die Meeresflora und -fauna. Wir waren umgeben von abertausenden von Fischen, die aber für das „richtige“ Erlebnis noch „angefüttert“ wurden. Irgendwie kam ich mir betrogen vor und wunderte mich, dass uns der Fischschwarm urplötzlich verliess. Des Rätsels Lösung lag etwa 30m weiter – die Japaner fütterten noch viel ausgiebiger für ihre Kunden an. Die gesamte Korallenwelt war dem Massentourismus im Übrigen zum Opfer gefallen – dies konnten sogar meine biologisch ungeschulten Augen erkennen.

Ich will jetzt hier keine schlechte Stimmung aufkommen lassen, aber der Mensch macht in der Tat so viel kaputt. Kann ein sanfter, elitärer Tourismus mit 30-fach höheren Preisen für ein Dreissigstel der Menschen die einzige Lösung sein? Ich bin ratlos. Egoistisch, hedonistisch fliehen die wahren Individualtouristen längst nach Myanmar, Vietnam und Mosambik – auf Kho Phi Phi ist das Paradies leider nicht mehr zu finden…

Schnorcheln am Hat Yao vor Koh Phi Phi Don

Auf Bamboo Islands hatten wir unseren dritten Stopp. Zwar war auch dort einiges los, da es aber einige vergleichbare Inseln dieser Art in der Nähe von Koh Phi Phi gibt, verlief sich der Ansturm ein wenig.

Kasia vor einem Longtail auf Bamboo Islands – weisser Sand wohin das Auge reicht

Zum Schluss legten wir noch in Ban Laeng Trom an – einer völlig überfüllten, weissen Landzunge zwischen einem wild zerklüfteten Kalksteinmassiv auf der einen Seite und einem lieblich geschwungenen Hügel aus Kokospalmen auf der anderen Seite.

Ich weiss, dass ich Gefahr Laufe, die Gefühle von Hinterbliebenen zu verletzten. Aber hat man das Gedränge an einem der wirklich bilderbuchschönen Orte dieser Welt einmal gesehen, so kann man sich über den zynisch fatalen Selbstreinigungsprozess von Mutter Natur nicht mehr allzu sehr wundern. Am Abend zuvor schaute ich mir auf Youtube einmal die Liveaufnahmen von Kalle Widelius an. Koh Phi Phi kam letztendlich aufgrund seines natürlichen Schutzes der Bucht noch „glimpflich“ davon.

– andere Ort, wie zum Beispiel Khao Lak traf es bedeutend intensiver. Durch den Massentourismus ist dieses Naturunglück besonders gut in Thailand dokumentiert. Kaum vorstellbar ist aber die Zerstörung in Indonesien mit deutlich über 120.000 Todesopfern unmittelbar am Epizentrum des Seebebens.

Rimini in den 70ern, nein Ao Ton Sai auf Kho Phi Phi Don !

Deutlich ruhiger, geradezu beschaulich ging es einen Tag später am Hat Noppharat Thara zu. Habe ich das große Spiel der Welt gesehen, so kehre ich weiser in mich selbst zurück (frei nach Goethe)

Hat Noppharat Thara – Bucht nahe von Ao Nang, die Sandsteinbucht von Rai Leh im Hintergrund

Stay tuned !


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