Verfasst von: Dennis K. | 12. August 2012

Tour de France 2012 – Erfahrungen als Anbieter

Auf dem Dach der Tour

Auf dem Dach der Tour – Col de l‘ Iseran !

Meine erste Radsaison aus der Perspektive eines Radreiseveranstalters neigt sich dem Ende zu. Sportlicher und organisatorischer Höhepunkt stellt die zehntägige Rundfahrt durch die französischen Nordalpen mit dem Startpunkt Pinerolo unweit der Piemontesischen Metropole Turin.

Zeitnah möchte ich meine Eindrücke schildern und ein erstes Resümee ziehen. Die nackten Zahlen zeigen schon, dass sich das Angebot von Champions-Training.de an den sportlich orientierten Rennradfahrer richtet. Ohne eine ernsthafte Vorbereitung waren die 23 Anstiege mit den ausgewiesenen 22.000 Höhenmetern auf über 900km nämlich nicht zu bewältigen.

Und so fanden sich am 1. August auch 13 Radfahrer zu dieser Reise ein, die ihre Hausarbeiten allesamt gemacht hatten. Schnell merkte man, dass unsere Kunden über die notwendige Vorbereitung verfügten, um diese anspruchsvolle Rundtour körperlich zu bewältigen.

Kampf auf den Schlussserpentinen des Iseran

Kampf auf den Schlusskehren des Iseran

Aus der eigenen, mittlerweile über zehnjährigen Erfahrung auf dem Rennrad kann ich sagen, dass eine solche Herausforderung eben nur dann das erhoffte Raderlebnis wird, wenn bereits früh in der Saison eine Grundlagenausdauer gelegt wurde, die es einem ermöglicht, täglich mindestens 5 harte Stunden im Sattel zu verbringen und dabei zumindest vereinzelnd über 3000 Hm zu absolvieren. Die Tagesetappen überschritten dabei regelmäßig die 100km und führten teilweise aus einer Gluthitze in den Tälern auf zugige Pässe jenseits von 2700m.

Dass bereits am zweiten Tag die Königsetappe mit ihren 146km über den Col de Croix de Fer und postwendend den Col de Madeleine auf dem Programm stand, war aus meiner Sicht schon ein wenig grenzwertig, wird diese Kombination von Christian Prudhomme und der Amaury Sport Organisation (ASO) germe als Scharfrichter eingesetzt, um bei der Tour de France eine Vorentscheidung herbeizuführen.

Die bunt durcheinander gewürfelte Truppe aus hanseatische Flachlandtirolern, raderfahrenen Ruhrpottlern, bajuwarischen Bergziegen und Sportskanonen aus der Steiermark war mir aus frühen Radreisen teilweise bereits bestens bekannt, hatte ich mit dem einen oder anderen schon in der Vergangenheit namhafte Alpenanstiege Vorderrad an Hinterrad „erfahren“ oder mich gar in den Schlussrampen des Ötztaler Radmarathons am Timmelsjoch duelliert. Diese Jahr fielen die Duelle leider aus, was nicht ausschließlich an meiner neuen Rolle als Mitarbeiter lag – dazu mehr weiter unten.

Besonders erfreulich war die Teilnahme eines weiblichen Gastes  – Susanne, eine erfahrene lronwoman, die schon den Konkurrentinnen ihrer Altersklasse beim Ötztaler kräftig einheizte. Diese Neukundin mit ihrer erfahrenen, souveränen Art sowohl bergauf als auch bergab zeigte uns bereits früh, dass Mixed Teams nicht immer von den männlichen Teilnehmern dominiert werden. Mit Hubi, ihrem Mann, hatte sie schon zahlreiche anspruchsvolle Touren in den Alpen und Pyrenäen unternommen und lieferte den einen oder anderen Gedankenanstoss für zukünftige Projekte.

Mein persönliches Interesse lag darin, zu beobachten, was sich Kunden auf einer solchen Tour wirklich wünschen. Aus Kundensicht hatte ich in der Vergangenheit kritisch beobachtet, wie sich verschiedene Dienstleister (quäldich.de, DiroRadferien, Zypernbike, SiamBikeTours und teilweise auch die großen mallorquinischen Radreiseveranstalter) auf unterschiedlichsten Touren positionieren und ihr Gesamtpaket zurren.

So bestand meine Aufgabe dieses Mal sowohl im Etappensupport im Begleitfahrzeug als auch im Guiden auf dem Rad. Als Quintessenz muss ich selbstkritisch konstatieren, dass am Berg eben die Regeln der Physik gelten und eine Ausdauerleistung von 3Watt/kg schon das Minimum sein sollte,  um als Guide jederzeit über notwenige Reserven zu verfügen. Sicherlich muss ein guter Guide nicht immer am Berg der Erste sein, wünschenswert wäre es aber sicherlich gewesen, hätte ich mich jederzeit vorne zeigen können, ohne merklich zu überdrehen. Hier bestand zumindest auf der Köngisetappe deutlicher Verbesserungsbedarf meinerseits.

Bewusst geworden ist mir in den vergangenen 10 Tagen vor allem, wie wichtig eine flexible Streckenführung bei Wetterumschlägen/Schlechtwetterperioden ist und dass es auch bei Premiumpositionierung eben nicht darauf ankommt, lediglich ein Premium-Hotel im Angebot zu haben. Die Mischung macht es eben. Hier habe ich von Arnold einiges lernen können. Der Vergleich zur Südfrankreichtour 2011 zeigt mir ganz deutlich, dass Champions-Training.de diesbzgl. einen Weg eingeschlagenen hat, der auch meinen Vorstellungen eines Premiumveranstalters entspricht.

Bergziegen

Unsere Bergziegen vor dem Hotel auf dem Weg zum Piccolo San Bernardo und folgend zum Dach der Tour, dem Col de l‘ Iseran (2766m)

Organisatorisch sehe ich allerdings noch deutlichen Verbesserungsbedarf „on the fly“, also während der Etappen. Dies gilt in Bezug auf die Kernverpflegung zur Mittagspause als auch für die Kurzstopps bzw. während extern wahrgenommenen Kaffeestopps.

Verpflegung in Val d'Isière (1850m)

Verpflegung in Val d’Isière (1850m)

Auch sehe ich noch deutlichen Verbesserungsbedarf in Bezug auf die Dokumentation der Erlebnisse in Bild und Film. Hier verpufft bei einer auch aus meiner Sicht doch eindrucksvollen Frankreichtour ein gehöriges Potential an Viralmarketing, das ungenutzt bleibt.

Meine Erwartungen sind sicherlich durch das zugegebenerweise professionelle Benchmark eines Kristian Pletten (http://www.kristianpletten.com/album/sports?p=1&s=UA-24455500-1#1) hoch, das Erreichen dieser Latte erschliesst aber aus meiner Sicht neue Sphären von Vermarktungspotential. Hier werde ich im kommenden Herbst ein klares Konzept ausarbeiten müssen, sei es in Hinblick auf eine weitere Zusammenarbeit mit Champions-Training oder sei es für eigene Projekte in 2013 !

Weitere Impressionen dieser Tour folgen in den kommenden Tagen.

Auch werde ich mich in näherer Zukunft nochmal zu meinem weiteren Plänen äußern. Definitiv planen werde ich die bereits angesprochene Radreise mit meinem ägyptischen Freund Sherif – dies ist mir eine Herzensangelegenheit. Der Termin ist insoweit schon fixiert, Sherif wird zur 100. Tour de France das erste Mal ausserhalb Afrikas radeln ! Bring it on !

Iseran

Jens am Iseran, etwa 500 Hm oberhalb von Val d‘ Isère


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: