Verfasst von: Dennis K. | 20. September 2012

La Corse – Île de Beauté – welche ein inspirativer Ort für einen Blick zurück und nach vorne

Nunmehr sitzen Kasia und ich auf der Fähre von Bastia nach Nizza und blicken zurück auf einen ersten, aber sicherlich nicht letzten Besuch der viertgrößten Mittelmeerinsel Korsika. Steht Sizillien noch immer auf meiner „bucket-list“, lassen mich zurückliegende Besuche auf Sardinien, Zypern und dem deutlich kleineren Mallorca und Elba einen ersten Vergleich ziehen. Und dieser geht zumindest in landschaftlicher Hinsicht deutlich an Korsika ! Aber dazu mehr in einem nächsten Blogeintrag:

Gewitterfront über Bastia

Gewitterfront über Bastia

Lieblichere Begegnungen in Richtung Patrimonio:

fast gleiche Zeit/Ort mit Blick nach Westen

fast gleiche Zeit/Ort mit Blick nach Westen

Mag der eine oder andere bei einem Blick in die sozialen Netzwerke verwundert feststellen, dass ich in den vergangenen Monaten noch mehr auf dem Rad unterwegs zu sein scheine als im letzten Jahr (! – leider tue ich das definitiv nicht) und ich damit in der Zwischenzeit einem völlig hedonistischen Lebenswandel verfalle, zunächst mal ein paar Worte zu den altruistischeren Aktivitäten, die mir am Herzen liegen:

Die bei meinem Rotary-Vortrag Anfang März gesammelten 795€ waren ursprünglich dem erklärungsbedürftigen Ziel gewidmet, meinem ägyptischen Radfreund seinen radfahrerischen Lebenstraum zu erfüllen. Sherif, der als ehemaliges Mitglied der ägyptischen Straßenrad-Nationalmannschaft noch nie ausserhalb Afrikas radgefahren ist, sollte diesen Sommer ein paar der großen Pässe der Tour de France unter die Pedale nehmen. Sicherlich mag an dieser Stelle der eine oder andere denken, dass es drückender Probleme gibt, für die man sich in Afrika einsetzen sollte !

Wie schon in vielen persönlichen Gesprächen ausgeführt, hat mich meine Reise durch Afrika in meiner Meinung bestärkt, dass Entwicklungshilfe, wie sie von vielen, nicht allen Organisationen betrieben wird, den Menschen vor Ort NICHT nachhaltig hilft. Ganz im Gegenteil, sie schafft neue Probleme, wie das Beispiel Äthiopien zeigt.

Indem ich einen EINZELNEN Menschen zumindest ansatzweise einen Traum erfülle, wie ich ihn mir selbst in Afrika erfüllen durfte, entstehen meiner Ansicht nach lebenslange Erinnerungen und Verbindungen, die einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich zum Teil noch sehr fremde Völker und Religionen, trotz all ihrer Unterschieder, toleranter gegenüber treten, wenn Menschen Zeit miteinander verbringen und dabei idealerweise eine Passion miteinander teilen.

So saß ich mit Kasia an einem der schönsten Orte der Insel Korsika, unweit des Capu Rossu mit Blick auf auf den Golf von Porto und die Calanche de Piana, die zurecht von der UNO zu einem Weltkulturerbe ernannt wurde. Ein Ort, der es ohne Weiteres mit dem Grand Canyon, den Victoriafällen, dem Gorge de Verdon oder dem Ao Phang Nga-Nationalpark aufnehmen kann. Aus dem Nichts erschien eine hübsche, mit einem Hauch von Nichts bekleidete Französin und ich musste zur Verwunderung Kasias laut lachen. So stellte ich mir vor, wie Sherif wohl auf diese Begegnung reagieren würde.

Leider kann Sherif dieses Jahr nicht nach Frankreich kommen. Sein Vater verstarb Ende April an einem Hepatitis-bedingten Leberversagen. Der 29-jährige Sherif hatte als ältester Sohn nun ersteinmal familiäre Verpflichtungen, war seine Mutter schon vor Jahren vorverstorben. Harte Realitäten auf dem „entwickeltsten (!)“ Land meiner Afrikadurchquerung! Zusätzlich fiel der von mir anvisierte Zeitraum Anfang August dieses Jahr in den Ramadan, dessen Regeln einen zeitgleichen Ritt durch die Alpen unmöglich machen! Hatte ich meinen Zuhörern versprochen, die Reise mit Sherif noch in diesem Jahr umzusetzen, anderenfalls aber ihre Spenden dem Verein „Hilfe für Kwale e.V.“ (www.kwale.org) zukommen zu lassen.

Dieser von Claudia und Rainer Bürkle gegründete Münchener Verein betreibt Entwicklungshilfe in einer Art und Weise, dass sie für die Menschen vor Ort am ehesten nachhaltig ist. Mit dem Geldes wurde ein Teil der neuen Toilettenanlage an einer Schule in Pengo errichtet. Diesem Projekt möchte ich an anderer Stelle einen eigenen Blogbeitrag widmen. Glücklicherweise hat mir ein wirklich guter Freund, den ich hier bewusst nicht namentlich erwähnen möchte, nicht nur zugesagt, mich bei meinen Plänen bzgl. Sherif weiterhin zu unterstützen, sondern seine Unterstützung derart großzügig ausgestaltet, dass Sherifs Tour de France 2013 nichts mehr im Wege steht.

Wie bereits in einem früheren Blogeintrag geschildert, wollte ich dieses Jahr in einem Bereich unternehmerisch tätig werden, der es mir ermöglicht, „beruflich“ das zu tun, was ich gerne mache: reisen und radfahren ! So habe ich mich -sicherlich sehr günstig- an  „Champions-Trainining.de“ mit dem Gedanken verkauft, sehr mittelfristig gemeinsam eine Unternehmung zu formen, hinter der ich mit Herzblut stehe. So waren die 7 Wochen auf Mallorca eine lehrreiche und auch aus meiner Sicht sehr erfolgreiche Zeit. Eine Zeit, in der ich nette neue Kunden kennenlernen und betreuen durfte und bestehende Radfreundschaften intensivieren konnte.

Leider musste ich dann aber während der Frankreichtour im August feststellen, dass es menschlich und auch perspektivisch zwischen meinem „Chef“ und mir nicht in dem Maße klappt, das für mich Voraussetzung für ein vollberufliches und auch finanziell risikobehaftetes Engagement ist. Es sind einfach zu viele fundamentale, essentielle Dinge, die für mich bei Champions-Trainining.de nicht stimmen – Dinge, auf die ich zumindest in diesem Blogeintrag nicht eingehen möchte.

Bei einem Gespräch mit dem Gründer von Champions-Traininig bemerkte dieser, dass er sich nicht vorstellen könne, dass ich etwas Vergleichbares „off-scratch“ hochziehen wolle. Anfänglich stimmte ich dem zu. Im Nachhinein ist mir aber bewusst geworden, dass ich genau dieses tun müsse, wollte ich etwas entwickeln, dass „weitestgehend !“ meinen eigenen Vorstellungen entspräche.

Und an diesem Punkte stehe ich nun, daher auch unsere Reise nach Korsika, daher meine Gedanken zu Sherifs Träumen und zur Tour de France 2013, die in ihrer 100. Austragung erstmalig auf Korsika ihre Räder dreht. Ich werde in den nächsten Wochen entscheiden müssen, wie und ob ich weiterhin im Radtourismus arbeite und damit dann auch sehr mittelfristig, den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Hier gilt es, die in den vergangenen Monaten generierten Ideen, in ein tragfähiges Konzept umzusetzen. Es wird spannender denn je für mich – stay tuned !

Hier über dem Golf von Porto:

Golf von Porto / Calanche de Piana

Golf von Porto / Calanche de Piana

Mein liebliches Begleitfahrzeug:
Kasia beim "Scouting"

Kasia beim „Scouting“

Leider hat WordPress seit meinem letzten Beitrag wohl einiges umgestellt, so dass dieser Beitrag recht umprofessionell formatiert ist – das bitte ich zu entschuldigen und gelobe Besserung zum Wochenende !


Responses

  1. Hi Dennis;
    ich bin mir sicher du triffst die richtigen Entscheidungen…..
    „wo Gott dich hingesät hat, dort sollst du blühen“
    in diesem Sinne Euch beiden alles alles Gute
    sonnige Grüße aus dem ewig sonnigen Ulm
    Hardy


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