Verfasst von: Dennis K. | 11. November 2013

On the road again – zunächst ein Rückblick !

Nachdem dieser Blog ja nunmehr nicht mehr alleine einen Bericht meiner Afrikadurchquerung 2011 darstellt, sondern zu einem Tagebuch mutiert ist, dem ich Dinge „anvertraute“, die ich mit all denjenigen teilen will, die ein Interesse an meinem Tun im Allgemeinen und meinem Hobby im Speziellen haben, ist es in diesem Blog still geworden in den letzten 14 Monaten:

Bamboo Road 2013 – von Phnom Penh nach Singapur – 3000 flache Kilometer gegen den Wohlstandsspeck

Von Kambodscha über Thailand und Malaysia nach Singapur – 3000km in 6 Wochen, self guided but supported und in Hotels (!) So gesehen lesen sich die drei letzten Sektionen von Tour d‘ Afriques Südostasien-Tour „BAMBOO ROAD 2013″ eigentlich wie eine Genusstour – zumindest vergleicht man sie mit den Alternativen, die der Reiseveranstalter sonst noch im Programm hat.

ungefähre Route mit den Ruhetagen

ungefähre Route mit den Ruhetagen

Wie bin ich aber hier gelandet ?

Im Dezember letzten Jahres endete ja bekanntermaßen der Mayakalender und neben der Bildzeitung prognostizierten zumindest die Pessimisten unter uns das Ende der menschlichen Zivilisation. Aus diesem Anlass organisierte die kanadische Tour d‘ Afrique quasi eine Abschlussfahrt zu den Maya-Pyramiden unter dem ausladenden Titel „The Doomsday Ride 2012“. Was kann es Schöneres geben, als am jüngsten Tag irgendwo in Nicaragua unterwegs zu sein und in voller Fahrt in einem sich aufmachenden  Erdriss zu verschwinden, der einen entweder in Teufelsküche bringt oder „je nach Vorleben und Gesinnung“ in einen Harem mit 1000 Jungfrauen.

„www.velo-dreams.com“ postponed ?

Trotz der in Aussicht gestellten 1000 Jungfrauen passte mir die Tour terminlich nicht in den Kalender, hatte ich zumindest noch Mitte des Jahres 2012 geplant, meine Aktivitäten bei Champions-Training im Jahr 2013 zu verstärken. Diese Planung fand im August in Sallanche zum Fuße des Mont Blanc ein jähes Ende – zu unterschiedlich waren meine Ideen eines tragfähigen Konzeptes und einer nachhaltigen Kundenbindung, um diese mit Arnold W. von Champions-Training in Einklang zu bringen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, für 2013 off-scratch meine eigenen Radideen zu realisieren. Männern wird nachgesagt, dass sie selten multitaskingfähig sind – eine Fähigkeit, die ich mir definitiv nicht zu eigen machen kann. Verbindet man dieses Defizit mit der Angewohnheit, „die Dinge“ 110%ig oder -positiv gesehen- lediglich halbherzig anzugehen, so muss ich mir unumwunden eingestehen, dass mich 2 wichtige(!)  Dinge, die zeitgleich bewältigt werden müssen, zu überfordern drohen.

„Generalunternehmer“ in eigener Sache !

So offenbarten sich an anderer Front im wahrsten Sinne des Wortes Baustellen, die meine Aufmerksamkeit erforderten und die ,nennt man es beim Namen, die Grundlage für meinen hedonistisch erscheinenden(!) Lebensstil bilden:

So hatte ich auf 2012 meiner Hausverwaltung gekündigt und wollte näher an der kaufmännischen Verwaltung sein. Aber auch „baulich“ war Handlungsbedarf angezeigt, handelt es sich doch um Nachkriegswiederaufbaubestand mit allen baulichen Eigenarten und einem vor sich her getragenem Investitionsstau.

Wie ich nun einmal bin, wollte ich die Sachen mit der mir eigenen Herrlichkeit und Weisheit angehen:

So merkte ich, dass deutsches Handwerk zwar teuer, dafür im Idealfall aber nachhaltig und somit irgendwie dann doch preiswert ist, andererseits EU-Handwerk von Fleiss und Improvisationsfähigkeit getragen sein kann, das aber definitiv  einer gewissen Kontrollbedürftigkeit unterliegt, v.a. dann, wenn man beide Kulturkreise mit einander  vereinbaren zu sucht. Diese Erkenntnis der „BWL des interkulturellen Managements“ traf mich mit der vollen Wucht der Praxis !

Hörenswert !

Hörenswert !

Lange Rede kurzer Sinn, die letzten 14 Monate waren ein von Kalkzement, Ytong-Steinen, Feinsteinzeug, Silikon- und Acrylfugen, Steg- und Mantelleitungen, HT- und SML-Rohren getragener Crash-Kurs, der mir den profanen Unterschied zwischen Schönheitsreparaturen und Kernsanierung verdeutlichte. Ich hoffe, dass die gemachten Erfahrungen, das (hoffentlich) nur anfänglich verlorene Geld aufwiegen.

Ein wenig reumütig schaue ich zurück auf die Jahre 2011 und 2012, bin aber ganz optimistisch, dass die letzten 14 Monate meiner eigenen Kostensensitivität gerecht geworden sind und ich dabei nunmehr nachhaltige (!?) Wohnqualität geschaffen habe. Dabei freue ich mich über den schönen Nebeneffekt, dies u.a. mit Hilfe eines mir lieb gewonnen polnischen Fremdenlegionärs bewerkstelligt zu haben und ihm und v.a. Dingen seiner Familie dabei ein wenig  ausgeholfen zu haben. So ist die amerikanische Sub-Prime Krise allen ein Begriff – die Tatsache, dass die Polen in weiten Teilen ihre Grundschulden in Schweizer Franken aufgenommen haben, ist ein ähnliches Phänomen mit vergleichbaren  Konsequenzen !

Vom Doomsday zum Bamboo-Ride

Nach diesem Exkurs nun zurück zum Jüngsten Tag !

Doomsday 2012 entpuppte sich als eine relativ kurze, aber höchst anspruchsvolle Tour, die vom Brasilianer Christiano Wernecke (zu meiner eigenen Überraschung) höchst professionell und erfolgreich geführt wurde. Trotz des kleinen Teilnehmerkreises war sie ein voller Erfolg und es war ein Vergüngen, die Tour von „Joachim Löffel“ über 2700km und 45.000 HM (!) auf und ab durch Mittelamerika virtuell zu begleiten. So wunderte es mich nicht, dass der Veranstalter bereits im Frühjahr ein „Doomsday Reloaded“ anbot. Zu jener Zeit liess die körperliche Fassung eine solche Tour noch knapp zu, zumal ja auch noch das europäische Frühjahr und der Sommer anstand.

Das dauernde „Hin und Her“ zwischen Bodensee und Ruhrgebiet hinterliess nun aber deutliche spuren. Realistisch gesehen, war ich eigentlich spätestens im August zu fett geworden, um an dieser Tour wirklich Spass zu haben. So gesehen konnte ich fast schon von Glück sprechen, dass sich ein Phänomen zu wiederholen schien, dass ich schon von Champions-Training kannte. Touren finden  aus den verschiedensten Gründen nicht zu ihren Kunden und so erfuhr ich im September, dass Doomsday trotz des initialen Erfolges nicht die nötige Teilnehmerzahl erreichte.

Dies hatte einen unangenehmen Nebeneffekt: ich stieg weiterhin nicht aufs Rad und war dabei, genau die feiste Wohlstandsfigur wiederzuerlangen, die ich eigentlich schon vertrieben wähnte: Nach kompakten 1000km im März, stieg ich genau noch 4mal aufs Rennrad. 120km durch Dänemark, 60km Rund um Trondheim, 60km einen brachial steilen „namenlosen“ Fjord hoch und dann  eine letzte Tour, die aus ganz unerwarteten Gründen immer in meiner persönlichen TOP10 ganz oben gesetzt sein wird: den Trollstiegen hoch und die Adler-Straße hinunter zum Geiranger-Fjord mit Blick auf die Queen Mary II:*

DIE Etappe !

DIE Etappe !

Und ein sich schließender Kreis ?! 

Die landschaftlich atemberaubende Strecke war in aller Hergottsfrühe in eine mystische Stimmung gehüllt und die in den Fels gehauenen Spitzkehren gaben im nebligen Gischtregen immer wieder den Blick frei auf eine von Gletschern geschliffene Schönheit, die mir an diesem Tag besonders nahe ging:

Kasia und ich stellten in Åndalsnes in einem zum Fremdenzimmer umgebauten, ein wenig muffig riechenden Keller eines älteren norwegischen Ehepaars fest, dass im Begleitfahrzeug nunmehr ein weiterer Passagier sich einen mollig-warmen Platz gesucht hatte – der Smiley des norwegischen Schwangerschafttests war unmissverständlich !

Der Weg, der mich nach Afrika gebracht hatte, schien sich nun doch als Kreis zu schließen. Dass das Entstehungsdatum dieses kleinen Passagiers auf die Eröffnungsetappe der 100. Tour de France fällt, die wir im September des letzten Jahres im Hinblick auf eine ggf. erste selbst organisierte Bikereise  zuvor gescoutet hatten, ist nur eine Randbemerkung, die zumindest für mich eine tiefere Bedeutung hat:

Irgendwie komme ich immer wieder zu Hardy B. zurück, dessen toller Blog mich damals bestätigte, mir meine Auszeit nach Afrika zu nehmen. Eine Erfahrung, die mich sicherlich das ganze Leben begleiten wird. Und genau auf Korsika liess er mich Folgendes wissen:

 „Hi Dennis, ich bin mir sicher du triffst die richtigen Entscheidungen….. „wo Gott dich hingesät hat, dort sollst du blühen“, in diesem Sinne Euch beiden alles alles Gute. Sonnige Grüße aus dem ewig sonnigen Ulm“

Auch wenn sowohl Kasia als auch ich eine gewisse Distanz zu institutionalisierten Glaubensgemeinschaften haben, so erfüllt uns vor dem Hintergrund, dass nicht jedermann auf Zuruf schwanger wird, eine gewisse Dankbarkeit und Demut !

neuer Mitfahrer / neue Mitfahrerin

neuer Mitfahrer / neue Mitfahrerin

P.S.:

Dem aufmerksamen Leser wird sicherlich nicht entfallen sein, dass ich doch in der Lage zu sein scheine, zwei wichtige (!) Dinge gleichzeitig zu tun. Diesem Einwand möchte ich entgegen halten, dass ein beteiligter Protagonist von Frauen häufig als völlig losgelöste, autarke Persönlichkeit gesehen wird. Insofern widerspreche ich mir nicht !

P.P.S.:

Im Übrigen gibt es keine leichten Touren und keine schweren Touren – es gibt eigentlich nur eine ausreichende und eine unzureichende Vorbereitung auf eine Tour. Und mit dieser Erkenntnis versprechen die nächsten 6 Wochen großes Kino zu werden ! Und zu diesem Kino lade ich Euch in den nächsten 6 Wochen herzlich ein !

*: Okay, ich habe von Hardy Grüne gelernt, dass man auch ein wenig die Wahrheit strecken darf, wenn es die Dramaturgie bedarf. Ich bin bei etwa 8° C, aber gefühlten Minusgraden den Trollstiegen komplett hoch (Kampfgewicht 94kg), bei der Abfahrt wurde mir dann so kalt und ich bin zu den „beiden“ ins Auto gestiegen, Mag es Weicheimentalität oder neu gewordenes Verantwortungsbewusstsein sein, bleibt zunächst dahin gestellt. Unten habe ich mir dann den Bauch mit sündhaft teuren Landerdbeeren (gibt es auch Stadterdbeeren?) voll gehauen. Und es war auch nicht die Queens Mary II sondern eins der „Costa“-Untergangsschiffe. Nicht, dass ich irgendwann mal mit dem Blog bei Vroniplag lande !


Responses

  1. Hi Dennis;
    wow-von Herzen einfach kolossalen Glückwunsch Euch beiden; das freut mich jetzt aber richtig! Alles alles Gute für Eure Tour zu dritt!!!!!!
    Und:
    Süßes Foto, sehr trolliger Bericht und die Aussicht auf unterhaltsame 6 Wochen – soviel Glück an einem Tag hab ich nicht oft!!!!!
    hab eine glückvolle, ereignisreiche, spannende und behütete Zeit
    Gruß
    Hardy


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