Verfasst von: Dennis K. | 20. November 2013

Der perfekte Abenteuerspielplatz für Kinder oder ein 100 Dollar – Tag

This will be an extensive description of my 3rd day of sightseeing in Siem Reap, so I will keep in German – Internet is rather poor in Western Cambodia, but I will try and upload as many pics as possible:

Wie versprochen nun der Bericht des dritten und letzten Pausentages aus Siem Reap – mein lieber Freund Constantin war so freundlich und hatte mir „seine 4 Tage“ vor Ort im März diesen Jahres per Email übersendet und eine seiner Ausflüge übte von Anfang an eine gewisse Anziehung auf mich aus. Auch wenn sich unsere Art zu reisen ein wenig unterscheidet, stellen wir immer wieder fest, dass uns die gleichen „must sees“ interessieren oder eben kalt lassen:

Es handelte sich um einen Ausflug zu dem ca. 65km nordöstlich gelegenen Beng Mealea – Tempel, der jüngst von Historiker und Archäologen als Vorläufer Angkor Watts gesehen wird. Die Tempelanlage ist mit 1 Quadratkilometer Fläche halt eine Nummer kleiner, dafür aber grundsätzlich noch genau so erhalten, wie die Archäologen sie einst vorfanden. Es ist eine einzige riesige Ruine oder halt, je nach Augen des Betrachters, der größte und spannendste Abenteuerspielplatz der Welt !

Nach dem Erlebnis in Angkor Wat, an dem spätestens gegen 10:00h die Menschenmassen unausstehlich werden, hatte ich mit dem Fahrer „Mr. THEAN“ eine „early morning t-off time“ von 5:00h verabredet, die er mir grinsend umgehend bestätigte, brachte sie ihm doch 5 Dollar „early morning-fee“ ein.

Mr. Thean - TUKTUK driver of the day

Mr. Thean – TUKTUK driver of the day

 

Ich hatte mir für diesen Tag vorgenommen, nicht unbedingt aufs Geld zu achten, wollte ich doch von meinem letzten Tag vor Ort noch möglichst profitieren und v. a. das Umland erkunden. Eigentlich wäre es grundsätzlich möglich gewesen, den Tempel auch mit dem eigenen Rad anzusteuern, allerdings war dieser gute 2 1/2 Fahrtstunden entfernt, was dazu geführt hätte, mich wieder  den Massen aussetzen zu müssen, da man mit dem Rad halt erst mit Anbruch der Dämmerung losfahren sollte und man auf dem Rad zusätzlich, zumindest in meiner jetzigen Verfassung,  noch eine Stunde pro Wegstrecke mehr einplanen sollte. Auch wären die Optionen nach dem Besuch eingeschränkter gewesen. Daher entschied ich mich schlussendlich für das TUKTUK und seinen sympathischen Fahrer Mr. Thean!

So glänzte Mr. THEAN  mit deutscher Pünktlichkeit und erschien gegen 5:02h in der Lobby, auch wenn ich mich des Eindruckes nicht erwehren konnte, dass er zu dieser frühen Stunde noch verkniffener dreinschaute als im hellsten Tageslicht. So machten wir uns kurz nach 5 Uhr, also noch deutlich vor Tagesanbruch, in Richtung Beng Mealea, wobei wir die ersten 25km auf den Pfaden weilten, auf denen wir von Phnom Penh aus kommend in die Stadt eingefahren sind. Zu meiner Überraschung war es recht kühl zu dieser Uhrzeit:

es war ein komisches Gefühl mit diesem kultigen, aber für Langstrecken gänzlichen untauglichen Gefährt durch die Dunkelheit zu flitzen. Auch schmälerte das Geknatttere des Zweitakters das Frischlufterlebnis der noch vor 5:45h einsätzenden kurzen Morgendämmerung ein wenig. Nichtsdestotrotz war es schön zu sehen, wie mit der Morgendämmerung das Leben auf den Dörfern erwachte.

Gegen 6:30 erreichten wir den Ticketschalter, der noch gänzlich verwaist war. Nach kurzer Zeit hat  Mr. THEAN den Ticketverkäufer flott gemacht, der mir dann das erste Ticket des Tages ausstellte und Mr. THEAN auf Nachfrage freundlicherweise davon in Kenntnis setzte, dass die ersten Busse so gegen 8:00 aufkreuzen.

Ich hatte aber leider die Rechnung ohne die kleinen Khmer gemacht, die heute leider Wasserfest (Bon Om Touk)* bedingt abermals schulfrei hatten. So empfingen mich bereits 3 Knirpse am Gate. Sie zeigten sich recht gut informiert und sprachen zudem manierliches Englisch. Ich liess mir von Ihnen quasi im Schnelldurchlauf die Tempelanlage zeigen. Neben zahlreichen Nagas und Apsara-Tänzerinnen zeigten sie mir die eingestürzte Hauptkuppel, eine Bibliothek und sehr schwer begehbare Gallerien – ich war voller Neid, als ich sie dabei beobachtete, wie sie quasi unbeschwert über die zentnerschweren Blöcke schwebten und ich unbeholfen und schwerfällig hinterher tapste.

* Das Wasserfest feiert die Umkehrung der Fliessrichtung des Tonle Saps, des einzigen mir bekannten Flusses, der 2 Fliessrichtungen besitzt. In der Regenzeit drücken die enormen Wassermengen, die der Monsun auch aus dem Himalaya mit sich bringt und stauen den Fluss in westlicher Richtung. Dieser wird damit zu einem See, der das Leben Kambodschas maßgeblich mitbestimmt. Nach Abklingen der Regenzeit entwässert dieser sich langsam. Das Fest wird immer zum Vollmond im November landesweit gefeiert und Millionen Menschen pilgern in die Hauptstadt. Nach einer Massenpanik wurden 2010 hunderte von Menschen tot getrampelt – seit dem wird das Fest nicht mehr in Phnom Penh gefeiert. Auch scheinen die extremen Überschwemmungen der letzten Jahre und ihre Auswirkungen auf die sehr arme Landbevölkerung eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt zu haben.

Beng Mealea 1

Beng Mealea 1

Beng Mealea 2

Beng Mealea 2

Beng Mealea 3

Beng Mealea 3

Beng Mealea 4

Beng Mealea 4

Beng Mealea 5

Beng Mealea 5

Beng Mealea 6

Beng Mealea 6

Beng Mealea 7

Beng Mealea 7

Beng Mealea 8

Beng Mealea 8

Die Bilder sprechen für sich, wie ich finde. Es war wirklich spannend, hatte ich eigentlich den ganzen Abenteuerspielplatz für mich alleine. Ich wusste natürlich, dass die drei das Ganze nicht aus Nächstenliebe taten, also konfrontierte ich sie nach dem ersten Überblick mit der Bezahlung und hörte mir amüsiert an, dass sie sich -und zwar jeder alleine- ca. 20 Dollar als faire Bezahlung vorstellen konnten. Ein örtlicher zugelassener Guide erhält für den halben Tag etwa 25 USD, ein Preis, an dem die drei sich zu orientieren schienen !

Als ich einverstanden war, ihnen aber mitteilte, dass ich als Währung den Riel und nicht den Dollar für angemessen hielte, schienen sie mich das erste Mal nicht wirklich verstehen zu wollen. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, Ihnen EINEN Dollar/Nase zu geben, was aus meiner Sicht schon mehr als großzügig gewesen wäre. Es kam aber noch schlimmer, hatte ich nur noch 2 1-Dollarnoten bei mir und liess mich in Folge dessen von Ihnen breitschlagen, ihnen 5 (in Worten fünf) USD zu geben.

Unzufrieden (!) nahmen sie den einen Schein entgegen und das Genialste war, dass sie nun noch mehr wollten und nunmehr auch andere Währungen als den harten US Dollar als ihrer würdig erachteten, so z.B. den heimischen Riel oder den thailändischen Baht. Mit einem Augenzwinkern liess ich sie wissen, dass dies ihr Glückstag gewesen sei, dass zudem Wasserfest sei, und ich auch immer noch mit Hilfe des Personal diesen 5 Dollar-Schein zurückfordern könne und blitzschnell verschwanden sie im Dschungel.

Nr. 1

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 3

Als ich diesen auf breiten Pfaden ebenfalls verliess, machte Mr. Thean ein tiefes Schläfchen, meine Versuche, die 5 Dollar „early start – Fee“ zurückzubekommen, scheiterten kläglich:

da hat Mr. Thean sich aber erschreckt

da hat Mr. Thean sich aber erschreckt

Wie sich herausstellte, war Mr. Thean unmittelbar nach dem Frühstück eingenickt, worauf ich ihn bat, mich genau zu dem Ort zu bringen, an dem auch er gefrühstückt hatte. Ich bekam einen der besten Kaffee seit geraumer Zeit und -Überraschung(!) – irgendetwas mit steamed rice. Angeblich war es deer – nach Wild hat es in der Tat geschmeckt – 3 Dollar später waren wir wieder auf der Straße, nachdem wir zuvor die zweite Tages“hälfte“ diskutiert hatten:

meinen Ausflug in den nahe gelegenen  Phnom Kuhlen Nationalpark wies Mr Thean als nicht TUKTUK-gängig zurück: wir einigten uns auf ein sog. „floating village“, das aber, darauf legte ich Wert, möglichst weit von Siem Reap entfernt zu sein hatte – wir einigten uns auf Kampon Phluk, das aufgrund seiner Entfernung zum Siem Reap (ca.45km) eben nicht so oft angesteuert wird.

Irgendwie scheinen die Khmer und auch andere Südostasiaten anders als wir zu kalkulieren. Es kommt mir immer irgendwie das Target-Costing in den Sinn: Ein Tourist ist bereit, 25 Dollar für einen Ausflug zu zahlen. Scheinbar sind die Khmer der Meinung, dass die Größe der Gruppe für das Erlebnis des Touristen keine Rolle spielt. Also so zahlte ich für die Tour auch „nur“ 25 Dollar, hatte dafür aber ein Longboat zur Verfügung, das bis zu 16 Touris transportieren kann. Aus unserer Sicht war der Preis also ganz in Ordnung:

Die einzige Kostenschraube, an der gedreht wurde, war die Personalgestellung und so entschied der „Maitre des Bateaux“, mir den 10-Jährigen „Tuan“ zuzuteilen. Der Lütte konnte kaum über das aufgesetzte Honda-Lenkrad schauen, machte seine Sache aber ansonsten sehr gut. Er sagte mir, dass er in einem der „floating villages“ lebte, was sich auch als wahr herausstellte – er wurde von seiner Mutter fliegend versorgt.

Der kleine Mann, der kaum größer war als mein zugegeben groß geratener vierjähriger Neffe Bene, machte seine Sache aber ausgezeichnet: wie gesagt, er lies sich zwischendurch von seiner Mutter verpflegen, holte Diesel an Bord und schnitt sich nebenbei mit einer Rasierklinge die Schwielen an den ansonst zarten Händen ! Der kleine Bene hat nur Schwielen vom Duplo Aufreissen – ganz der Onkel! Was sich lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund, die Kinder müssen hier schon recht früh rann – trotzdem habe ich, im Gegensatz zu vielen Gegenden Afrikas, den Eindruck, dass die Kinder eine manierlich Schulbildung erfahren und dass die Eltern ansonsten auch ein waches Auge auf ihre Kleinen werfen.

Tuan am Steuer

Tuan am Steuer

Tuan bei der Verpflegung

Tuan bei der Verpflegung

Tuan bei der Treibstoffkontrolle

Tuan bei der Treibstoffkontrolle

An der Bootsanlegestelle im „Canale Grande“ des Dorfes trank ich eine Kokosnuss und beobachtete das Treiben durch mein Teleobjektiv:

Junge Khmer kokettiert mit den Touristen

Junge Khmer kokettiert mit den Touristen

Geschwisterliebe !

Geschwisterliebe !

Geschwisterliebe nicht erwidert !

Geschwisterliebe nicht erwidert !

Junge Mutter vor ihrem Haus

Junge Mutter vor ihrem Haus

Knirps im Geschehen

Knirps im Geschehen

Als Zusatzerfahrung konnte man sich hier nämlich für weitere (!) 7 Dollar mit einem Kanu durch das verzweigte Haussystem fahren lassen. Nach etwa 30 Minuten entschied ich mich für dieses zugegeben voyeuristische Zusatzerlebnis und meine Chauffeurin entpuppte sich als sehr schüchternes, aber bildhübsche Khmer-Mädchen, das auch kaum älter als 14 gewesen sein mag. Die wackelige Angelegenheit war ein tolles Erlebnis, auch wenn ich mir ungern die Frage stellte, ob es im Tonle Sap Krokodile gibt:

meine junge Bootsführerin

meine junge Bootsführerin

fühlte sich an wie ein Mangrovenwald

fühlte sich an wie ein Mangrovenwald

Häuserfront aus der Ferne

Häuserfront aus der Ferne

idyllischer Blick auf das schwimmende Dorf

idyllischer Blick auf das schwimmende Dorf

Nach einer guten weiteren halben Stunde Longboatfahrt und einer weiteren Stunde in Mr. Theans TUKTUK erreichte ich am Nachmittag wohlerhalten und voller Eindrücke Siem Reap. Den rundum gelungenen Tag beschloss ich mit einem Besuch im unter Schweizer Regie geführten Haven ! Dort aß ich einen der besten Fische der letzten Monate – delicious und er war selbstredend aus dem Tonne Sap! Das Konzept überzeugt, Tische sind nur schwer zu ergattern !

Ausgaben an diesem großzügig gestalteten Entdeckungstag:

$ 35  MR. THEAN – full day booking including gas and complimentary water
$ 5 Mr THEAN – early morning booking
$ 5 Beng Mealea entrance fee
$ 5 three boys
$ 3 breakfast of Deer meat and steamed rice with 2 coffees
$ 25 longboat ride to floating village
$ 1 coconut
$ 7 canoo ride
$ 1 tip to the boy
$ 15 dinner at „Haven“ in Siem Reap
——
$ 102 USD = 76 €


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