Verfasst von: Dennis K. | 30. November 2013

One Night in Bangkok Makes a Hard Man Humble

nein, weder empfinde ich mich als harten Mann noch habe ich in Bangkok Bescheidenheit an den Tag gelegt…

Als ich mich mit Kasia vor gut 2 Jahren auf unsere erste gemeinsame Fernreise begeben habe , führte diese uns zunächst nach Bangkok. Diese Stadt hatte  zumindest mich bereits auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt in ihren Bann gezogen und wir beide genossen unsere 4 Tage vor Ort sichtlich. Für mich war klar, dass ich diese Stadt wiedersehen würde – dass es so schnell gehen sollte, hatte ich allerdings weder geahnt noch erhofft.

Von der kambodschanischen Grenzen führen uns nicht einmal 1 1/2 Fahrtage vor die Tore Bangkoks. Insgesamt war es eine der krassesten Grenzüberschreitungen, die ich je mitmachen durfte – das Ganze erinnerte mich ein wenig an den Übergang vom Sudan nach Äthiopien. Thailand ist Kambodscha gefühlte 30 Jahre voraus und das Tempo sowohl auf den Strassen als auch im täglichen Leben ein ganz Anderes ! Wirklich Freude gemacht haben die letzten 60km des zweiten Fahrtages nicht, hatte der Verkehr sich bereits so verdichtet, dass ich trotz der zwar steigenden aber immer noch unsäglichen Form kaum 2h brauchte – im Sog von heillos überladenen Schwertransporten lässt sich bekanntlich gut segeln ! Der Plan der Veranstalter sah  vor, die letzen knappen 60km mit dem Bus einzufahren – obwohl es mir schon irgendwie unter den Fußsohlen juckte, widersetze ich mich diesmal Sharitas Autorität nicht. Sharita war im Übrigen auch mein Tourmanager von Kairo nach Kapstadt – ist ihre BootCamp-Art für den einen oder anderne gewiss gewöhnungsbedüftig, so kann ich mir zumindest in Afrika keine bessere „Chefin“ vorstellen – sie ist eine ganz toughe und durchsetzungsstarke Frau v.a. wenn man bedenkt, dass sie erst Ende 20 ist.

4 mutige Kandidaten aus unserer Gruppe machten sich um 6:00 Uhr auf den Weg und kamen quasi zeitgleich mit uns an im Hotel de Moc im Norden der Stadt. Wie ich heute morgen feststellte, ist Gerhard, ein frühpensionierte und jung gebliebener Lufthansa-Kapitän dann auch aus Bangkok gestern in einem Rutsch nach Hau Hin gefahren knappe 200km mit viel Stadtverkehr – ich ziehe meinem Hut vor ihm, beste Vorraussetzung für einen EFI-Ritt nach Kapstadt !

Für meinen Geschmack sah die Planung der Organisatoren mit einem Ruhetag vor Ort eine viel zu kurze Pause vor, um dann bereits im königlichen Bad von Hua Hin nach 2 kurzen Fahrtagen abermals einen Ruhetag einzulegen. Eigentlich hatte ich mich schon in Deutschland entschlossen, von dieser Planung „eigenmächtig“ abzuweichen.

Nach nichtmals einer Woche wollte ich mich also bereits wieder temporär von unserer Gruppe verabschieden, um Bangkok nochmals im eigenen Stil zu erkunden. Hier kann man irgendwie nach meinem Empfinden noch bezahlbaren Über-Luxus genießen und gleichzeitig nach Belieben „das Abenteuer“ suchen im langsam untergehenden alten Bangkok – das ist ganz nach meinem Geschmack ! Der Untergang zeigt sich an so simplen Feststellungen, dass vor gut 2 Jahren z.B. an der Silom  Road noch zahlreiche TUKTUKs unterwegs waren, diese aber mittlerweile  aus Bangkoks Straßenbild fast gänzlich verschwunden sind und  auch nur noch Touristen bedienen – dies natürlich zu deutlich höheren Preise als die allgegenwärtigen Toyota-Taxen, die allesamt auf LPG laufen. Verkehrte Welt !

In unserem Hotel in Chachoengsao war ich über ein interessantes „Last minute“ Kontingent gestolpert, dass dann auch innerhalb weniger Minuten „vergriffen“ war  – das „THE Pensinsula“ wurde für 2 Nächte für insgesamt 97 Euro feilgeboten – eigentlich stehe ich nicht auf diesen gediegenen „Über-Luxus“, diesem Angebot konnte ich aber nicht widerstehen.

In Windeseile seilte ich mich ab von der Gruppe und machte mich in den Süden der Stadt. Als der Taxifahrer mir vor Fahrtantritt 300 Baht also 7,5 Euro vorschlug, dieskuierte ich nicht lange und rundete großzügig auf 320 Baht auf. Mittlerweile weiss ich, dass man dafür im TUKTUK kaum durch die halbe Stadt kommt, die Taxen für eine relativ lange Taxifahrt liegen meist bei 60-80 Baht und als Betriebswirt fragt man sich, wie das funktioniert, denn auf mehr als 15 Touren am Tag werden die wenigsten Taxifahrer kommen – schon aus diesem Grund runde ich immer „großzügig“ auf 100 Baht auf. LPG kostet hier etwa 50 Eurocents/Liter, aber so ein Toyota Camry will auch abgeschrieben werden und in unterirdischen Zuständen sind die wenigsten Taxen.

Das „THE Peninsula“ bot dann auch jeden erdenklichen Luxus und der Spa-Bereich war schon ein wenig dekadent und der Blick aus meinem Zimmer in der 27. Etage schlicht und ergreifend phänomenal. So ließ ich am ersten Tag ein wenig die Seele baumeln, schrieb an dem Eckschreibtisch meines Zimmers an meinem Blog und genoss die Stadt erst einmal von oben. Das Hotel lag im Übrigen streng genommen nicht in Bangkok sondern auf der anderen Seite des Chao Prayas in -und hier müsste ich eigentlich den Reiseführer zu Rate ziehen- Thonburi. „Müsste“ ist präziser, denn just in diesem Moment nahm Meret Br., die Front-Office Managerin des „THE Peninsula“ neben mir im Zug von Bangkok nach Hua Hin  Platz, die ich lustigerweise sofort erkannte. Als ich sie dann fälschlicherweise mit dem Namen der General Managerin dansprach, guckte sie ein wenig irritiert. Es entwickelt sich aber eine höchst interessante Unterhaltung über ihr Berufsleben in der Peninsula-Gruppe und über die eine oder andere Erfahrung in diesen „elitären“ Übernachtungstempeln.

Zuvor hatte sie 6 Jahre im THE Pensinula in New York verbracht und sollte eigentlich anstatt nach Bangkok zur Neueröffnung des Pariser Dependence in Frankreich eingesetzt werden. Sie war auch erst 6Wochen in Bangkok, hatte ihre Wohnung auf der anderen Flussseite in der Nähe der Silom Road und hatte schon das eine oder andere Anekdötchen auf Lager, über das ich schmunzeln musste. Aber auch ansonsten hatten wir eine sehr unterhaltsame Zugfahrt.

Naja, alles im allem war das The Peninsula schon ein toll gelegenes und sehr gut geführtes Hotel, dem aber -aus meiner Sicht- irgendwie das gewisse Etwas fehlt. 5 Telefone im Zimmer und ein Fernseher für die Badewanne sind nett, aber konservativer Überluxus für mindestens 250 Euro/Nacht – not my style !!

Bangkok from 27th floor

Bangkok from 27th floor

Crossing Chao Praya

Crossing Chao Praya

Die Tatsache, dass das auf der falschen Flussseite gelegene Hotel per Shuttleboat mit dem Pier des gegenüber gelegenen  Mandarin Oriental verbunden ist, machten die ersten Erkundungen am nächsten Tag besonders einfach. Mit einem der Longboats bin ich quer durch die Innenstadt zurück, um nochmals mit Douglas meine Bikeverladung abzusprechen und um mich von Sharita zu verabschieden. Sharita geht in den wohlverdienten Kurzurlaub bevor Sie Anfang Dezember die Trucks für die Tour d‘ Afrique 2014 quer durch Afrika in den Sudan fahren lässt. Weihnachten wird sie wohl irgendwo in Äthiopien verbringen – nichts gegen das Land, aber ich könnte mir gewiss Schöneres vorstellen.

Goodbye Sharita

Goodbye Sharita

Anschließend habe ich noch mit Michel, einem sehr zurückhaltenden, wie könnte es anders sein, KANADIER aus Montreal, einen Saft getrunken und mich dann via Khao San Road, Königspalast, Chinatown in Richtung Silom Road gemacht. Der Fußmarsch dauerte den ganzen Nachmittag und ich habe Ausschau gehalten nach ein paar interessanten Motiven und Eindrücken…

so cute

so cute

just off Khao San Road

just off Khao San Road

greedy monk with a toothbrush

greedy monk with a toothbrush

on the floor in front of some store in Chinatown

on the floor in front of some store in Chinatown

sales person @ flower market

sales person @ flower market

monk at main train station

monk at main train station

Der lange Marsch durch Bangkok förderte offensichtlich meinen Hunger, brachte mich aber ein wenig in Zeitnot, hatte ich mir doch schon vor Wochen einen der begehrten Plätze im NAHM Restaurant reserviert. Da Thai-Küche neben der italienischen meine Lieblingsküche ist, wollte ich diese einmal in Vollendung kennenlernen. Eigentlich hatte ich Gerald Coniel, der ja hier im Blog die erste Hälfte von Bamboo 2013 beschrieben hatte, angeboten, den Platz zu besetzen. Leider sagte er mir recht kurzfristig ab, hatte er sich doch auf einem seiner (zahlreichen) Side-trips an der kambodianischen Grenze eine Nahrungsmittelvergiftung eingefangen, von der er sich nur langsam erholte!

So machte ich mich kurz nach 19:00 alleine auf den Weg, was ein bisschen schade war. Das Essen hatte sowohl extreme Höhen als auch Tiefen, wobei ich für Letztere maßgeblich selber verantwortlich war. So hatte ich als Zwischengang ein Relish – „thai style“ geordert, das meine Geschmacksknospen für mindestens 15min tilte. Cool war, dass man im Menu quasi 7 kleine Speisen ordern konnte, die eine doch facettenreiche Auswahl der Thaiküche darstellte. Ich stellte abermals fest, dass ich kein großer Freund von Currys bin, das neben dem Feuer speienden relish die einzige Speise war, die hinter meinen Erwartungen zurück blieb. Der „Lobster and Mangosteen Salad“ war definitiv das Highlight an diesem Abend – mein bester Thaisalat EVER !

Nahm salad: ***** stars

Nahm salad: ***** stars

Zum Nachtisch hatte ich dann auch noch Durian-Premiere: Diese Königin aller tropischen Früchte spaltet wohl die Gemüter: Das Fruchtfleisch schmeckt wie ein butterähnlicher Vanillepudding, begleitet von einem Mandelgeschmack, einem Hauch von Frischkäse, Zwiebelsoße und braunem Sherry“ schwärmen die einen, während andere die Frucht verteufeln, röche sie  doch „wie die Windeln eines Babys, das vor 2 Wochen Durchfall hatte und nicht versorgt wurde“. Beiden Beschreibungen kann ich letztendlich was abgewinnen, unmissverständlich ist aber die Tatsache, dass in öffentlichen Gebäuden und Hotels in Südostasien ein Mitnahme- und Verzehrverbote der DURIAN-Frucht besteht.

Am folgenden Tag wechselte ich dann das Hotel uptown – leider konnte ich nicht wieder ein so gutes Schnäppchen ausmachen, das HANSAR HOTEL war aber definitiv kein Downgrade, es kam ziemlich cool daher und war sehr zentral gelegen.

Hansar Hotel

Hansar Hotel

Am Nachmittag machte ich mich dann per SKY-Train ganz in den Norden der Stadt zum Chatuchak-Wochenend-Markt, den ich damals schon mit Kasia besuchte. Wieder hungrig probierte ich nun das andere Extrem der Thai-Küche aus. Eine belebte GARKÜCHE – für 80 Baht (knapp 2Euro) wurde ich dort wunderbar satt, v.a. die Saucen waren genial – Schweinefleisch und Saucen in eine Plastiktüre, 1 Spiess hinzu – geschmacklich SENSATIONELL:

Chatuchack

Chatuchack

Und auch ein letztes Highlight gibt es noch zu berichten. Ich fand doch tatsächlich einen „Shop“ der ausschließlich Radtrikots ausstellte und ich kämpfte mich bestimmt eine gute Stunde durch all diese Trikots, die offensichtlich aus europäischen und v.a. Dingen nordamerikanischen Altkleidersammlungen stammten und auch entsprechend rochen. Kurz bevor meine Geduld sich dem Ende entgegen neigte, fand ich ES:

Ein „Chianti Classico Jersey“ by Santini – ich hatte es schon vor 3 Jahren in Siena gesehen und noch letztes Jahr wollt mich Kasia in San Gimignano überzeugen, es mir zu kaufen. Die happigen 65 Euro schreckten mich jedes Mal ab. Leider wollte der Shop-Owner aber noch immer utopische 900 Baht – also 22 Euro. Nach drei Besuchen einigten wir uns auf immer noch  teure 15 Euro – aber nun bin ich stolzer Besitzer eines stinkigen Trikots, das aus Asien in die Toskana zum Verkauf kam, dann wahrscheinlich von einem fetten Amerikaner (XL)  ein paar Mal durch den Central Park chauffiert wurde, um dann in der Altkleiderkiste wieder nach Bangkok zu gelangen.

Chatuchack Jersey

Chatuchack Jersey

There is always a story to something…. hier der Shopowner (das ist natürlich gründlich gelogen, aber weit entfernt hatte er seine Booth in der Tat nicht):

Chatuchack Booth Owner

Chatuchack Booth Owner


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