Hola mi nombre es Yis, tengo 24 años nací en Mesetas Meta actualmente vivo en Villavicencio. Vengo de una familia muy humilde. Llevo aproximadamente 15 días leyendo este blog, cada vez que lo leo me sorprendo y se acelera mi corazón.

Estos días han estado llenos de magia, experiencias, alegrías, risas y una que otra lágrima escondida, la comunicación ha sido nuestro mayor reto pero lo hemos logrado. Mi compañero de viajes es la persona más maravillosa que he conocido en mucho tiempo todo un CABALLERO.

Quiero hablarles un poco de RÍO CLARO uno de los lugares que ha marcado un antes y un después en mi vida… Mi compañero y yo decidimos hacer una caminata que se llamaba „La Caverna“, en mi mente no sonó tan mal, mi corazón empezó a latir muy fuerte cuando el guía nos indicó donde terminaba esta caminata justo en un hueco en una roca justo al otro lado del río. Mire a mi compañero y me sonrió. Una hora más tarde después de mucho caminar ahí estábamos en la entrada a la caverna, 5 minutos después todo era oscuridad pero las manos de mi compañero estaban en mis hombros indicándome que estaba ahí…. Mi mayor temor llegó un poco después los pozos con una profundidad de 2 metros, cada vez que tenía que saltar miraba atrás y ahí estaba el con una sonrisa y con una mirada que me decía tu puedes, confío en ti.
Al terminar el recorrido lo vi éramos dos niños asustados felices de llegar a la meta nos abrazamos y sonreímos. ahora se que su mano estará ahí para mí siempre. SI ESTAS CONMIGO NO TENDRÉ MIEDO.
Gracias universo por cruzar los caminos de CHRISTIAN Y YIS.

Verfasst von: Dennis K. | 24. Juli 2022

Honda – ein erstes (melancholisches) Resumée

Angekommen sind wir nach fast 900km immer wieder entlang der Lebensader Kolumbiens dem Rio Magdalena von einem zauberhaft verwegen gelegenem Kaffee-Agriturismo in den Höhen der Sierra Nevadade Santa Marta, dem perfekten Gateway vor und nach einer Wanderung zur Ciudad Perdida, über unser 11,60€ Hotel in Aguachica in einen Ort, dessen Namen mir auch als Velofahrer in Erinnerung bleiben wird: HONDA. 

Bar direkt neben unserem 11,60€ Motel in Aguachica

Diesen Ort hatte ich virtuell auserkoren als Zielort für „meine“ erste Abfahrt aus Bogotá hinunter ins „Alta Magdalena“. Nun ist es der Ort geworden, der unseren Road-trip durch Kolumbien beschliesst. Zeit für ein erstes Resumée.

Kolumbien ist wild und wir haben nur sehr kurze Abstecher „off-the beaten track“ gemacht. Wir hätten ein paar Tage im Valle de Cocora verschwinden und die Zentralkordilleren besser erwandern können. Antioquia hat seinen rauhen Charme nicht erst durch Pablo Escobar und in der Sierra Nevada de Santa Marta haben wir überhaupt nicht  begonnen mit den „Abenteuern“.  Den Pico de Christobal Colón mit seinen 5730m habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen. Dafür kurz den den 5321m und mit Schnee bedeckten Nevado del Ruiz.

Nicht nur Yis träumt vom Amazonas und ich von den wirklich wilden Departamentos: Nach Yis könne man das Llanos, für das Meta so bekannt ist, tagelang bewandern, ohne Menschen zu begegnen und die abgelegenen Departementos Vichada, Vaupés und die beiden noch unbefriedeten „Kantone“ Nariño und Chocó sind ohnehin nochmals eine anderen Hausnummer mit einer noch immer existenten Guerilla.

Leticia, die südlichste Stadt Kolumbiens ist über das Straßennetz, ähnlich wie die brasilianische Amazonas-Stadt Manaus, überhaupt nicht zu erreichen, liegen über 500km Regenwald dazwischen.

Distanzen und Straßen, sofern vorhanden, für die „der kleine Polo“ und meine Nerven nicht mehr geeignet sind. Kolumbien ist ein eher kleines Land in Südamerika (im Vergleich zu den großen Brüdern Brasilien und Argentinien oder auch entfernungsmässig zu Chile), es ist aber so gross wie Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Gestern hatten wir ein kleines Highlight: 450km mit einem Schnitt vom 68km/h, phasenweise kam so etwas wie Highway-Gefühl auf. Für Bogotá nach Armenia im Kaffee-Dreieck stand am Ende eines aufregenden Tages 38km/h im Mittel auf der Uhr: In Afrika gab es eine handvoll Tage, an denen die Racer vor den Trucks im Camp waren. Weit waren wir nicht davon entfernt. Fahren bei Nacht ist ein no-go für mich, zweimal haben wir es leider erst nach Sonnenuntergang ans Tagesziel geschafft – das gilt es gerne zu vermeiden. So haben wir heute nochmals knapp 140km und morgen geht es bereits zurück nach Amsterdam.

Dankbar bin ich für den ehrlichen, ersten Einblick in die Realitäten der Menschen hier, denn Yis Realitäten des Lebens sind wirklich ganz, ganz andere. Irgendwie will ich losgelöst von irgendwelchen „Hintergedanken“ mal schauen, ob ich nicht mal zur Abwechselung wieder einen Fussabdruck zum Positiven irgendwo hinterlassen kann. Es ist erschreckend wie „unverbreitet“ die Kommunikationssprache English hier ist. Mit ein wenig Kommunikationsniveau „Englisch“ ist man hier schon sehr weit vorne dabei am Arbeitsmarkt. Eine meiner Qualitäten ist es, die Qualitäten Anderer gut einschätzen zu können. Yis ist ein sehr sehr schnell lernende Frau, die weiss, was sie will und v.a. weiss, was sie nicht will. Aber irgendwie gerate ich immer an dickköpfige Frauen – auch diese wieder ! Hoffentlich ist sie ehrlicher !

“Labour” kostet nichts. Ein Zimmermädchen in den Motels entlang der Hauptstraßen verdient in einer 12 Stunden-Schicht ca. 30.000 pesos das sind kaum 7€ ! Das Preisniveau ist gefühlt zwar nicht wesentlich über dem, was ich vor über 11 Jahren in Afrika wahrnahm. Das günstigste Getränk war einmal eine Colombiana, Kolumbiens Nationalbrause für 2000pesos, das sind 45cents. Rekord ist somit immer noch die Cola in Addis Ababa für 18cents Anno 2011.  Einfachste Hotels an den Fernstraßen sind für unter 10€ zu bekommen, mit einigen Ausnahmen haben wir uns aber immer aus dem absoluten Prämiumbereich bedient. Meistens deutlich unter 100€/Nacht, nie über 200€ und ein paar wirkliche Schätzchen waren dabei, so zum Beispiel das Gitane in der Karibik unweit des Tayrona-Nationalparks aber auch das abgelegene TerraMia in den Bergen oberhalb von Minca war unendlich charmant konzipiert, aber mit 750.000pesos/Nacht für hiesige Verhältnisse sehr, sehr teuer. Mit booking.com ist das Ganze sehr gut auch mit Stundenvorlauf buchbar.

Hotel in HONDA, interessant eingefügt mit absoluter Armut bereits in der nächsten Parzelle
Direkt an der Wand hinter der Wasserrutsche !

Yis hat sich auf mein Betreiben hin erstmal Montagmorgen in Bogotá einen Termin zum Bantragen ihres Reisepasses „besorgt“, über Kontakte und mit ein bisschen „Schmiere – fast 20€“ geht das im Gegensatz zu einer Beantragung aus Villavicencio sehr schnell und der Pass sollte dann innert einer Woche vorliegen. Auch wird sie jetzt im August erstmal ihren Führerschein machen, für das Moto und in einem Rutsch auch für das Auto – Kostenpunkt wahrscheinlich keine 3 Praxisstunden in der Schweiz. Ich hoffe, dass ich bekannte Deja-vues diesmal anders abhandle als in der Vergangenheit und bin mir durchaus bewusst, ob der abermaligen Abhängigkeiten, die ich da schaffen könnte. Auf der anderen Seite werde ich mich mit Sicherheit in 15 Jahren nicht über eine Pfeffermühle streiten, sondern mich dankbar an ein bisschen Abenteuer in Südamerika erinnern. Schauen wir mal, was sich in der kommenden Zeit aus diese Bekanntschaft entwickelt – ich bin gespannt, Wanderschuhe sind auf jeden Fall geschnürrt, die Cleats werden zeitnah verschraubt, mein Herz klopft, mein Verdauungssystem arbeitet wieder verlässlich wie vor 11 Jahren und mein Gemüt verzichtet auf die Pillen der letzten 9 Monate – erfolgreich ausgeschlichen, umgesetzt wie geplant, seit 2 Wochen komplett ohne und mittlerweile wohl auch aus dem System !

Zeit, sich dem während eines deutsch, polnisch, griechischen Triathlons abhanden gekommenen Kinderwagen zu widmen – schaun wir mal….. 😉

Durchfahrt durch MINCA
Zielankunft, LLEGADA, des GFSM, dem GRAN FONDO de SANTA MARTA auf gut 1400m Höhe, vielleicht für mich mal 2023 ?

La bandera de Colombia es muy linda, si señor,
Verfasst von: Dennis K. | 23. Juli 2022

Viva Colombia, viva la vida y una oda a Yis !

Es gibt Tage, die sucht man mit Sehnsucht vergeblich und findet sie ein Leben nicht. Es sind die Tage im Leben, die sich irgendwann für einen entscheiden und festlegen, wann und wie und ob überhaupt sie gefunden werden wollen. Heute war so ein Tag wie er vielleicht nicht unbedingt schöner, zumindest aber  eindrucksvoller und erinnerungsreicher hätte kaum sein können. Ich befürchte ein wenig Yis hat diesen Tag anders wahrgenommen als ich, mit weniger melancholischer Theatralik, weniger mit dem Herzen insgesamt deutlich gelassener: es sollte unser letzter Tag eines Urlaubs, nein, eines gemeinsamen Abenteuers sein, das mich ein wenig zurück ins Leben des „hier und jetzt“ führt und Yis in eine erste grosse Runde durch ihre geliebte Heimat. 

Yis kennt Mesetas und Villavicencio in Meta wie sie in einem noch unveröffentlichen „Gastbeitrag“ in diesem Blog freimütig schreibt und ein wenig von Bogotá und den Orten dazwischen – mehr aber nicht. Sie spricht in einer bewunderswerten Art und Weise über ihre Eltern, die eine beispielhafte Ehe führen und die alljährlichen zum Jahresende stattfindenden familiären Besuche bei ihrer Aviola, also ihrer Grossmutter, die noch immer in Mesetas lebt. Einmal erzählte ich Yis -wahrscheinlich zur Beruhigung meiner eigenen Nerven-, dass mehr Menschen in den Tropen fallenden Kokosnüsschen zum Opfer fallen als wilden oder giftigen Tieren.

Yis befand sofort, dass an der Theorie etwas sein müsse, habe ihre Aviola in Mesetas doch auch eine Palme im Garten, von der sie eines Tages derart schwer an der Schulter getroffen wurde, dass diese über Wochen schmerzte. Als Yis diese Geschichte erzählte verfiel sie in einen lateinamerikanischen Singsang, dem ich noch Stunden hätte zuhören können und die Schmerzen und der Angriff auf Yis Leben durch eine Kokosnuss schien wieder „hier und jetzt“ gerade geschehen zu sein.

Gestern war Unabhängigkeitstag in Kolumbien und so wollte Yis unbedingt, dass ich einen Kindervers zu diesem Tag mit nach Europa nehme: “La bandera de Colombia es muy linda, si señor, ella tiene tres colores: amarillo es el oro, el azul el ancho mar y el rojo es la sangre que nos dio la libertad.

Langsam fange ich an, das Rot des Blutes in der Fahne Kolumbiens für mich anders zu besetzen. 

Unabhängig davon, wie es mit “uns”, also mit Yis und mir als “Sport“pärchen weiter geht, werde ich Spanisch lernen wollen, denn sprachlich waren die bald 4 Wochen eine Herausforderung für uns beide und vor allem die Stunden im Auto nebeneinander -dazu noch lediglich mit bestenfalls durchschnittlichen Sprach-Apps ausgestattet- eine Herausforderung in Sachen Kommunikation. Das haben wir beide gespürt, das war manchmal wie ein Fremdkörper zwischen uns und es hat auch das eine oder herzliche Lachen verhindert und an anderer Stelle provoziert: Sprache verbindet Menschen und kann sie trennen; eine Sprache habe ich bereits vor vielen, vielen Jahren mit und durch eine Frau gelernt, vielleicht ergibt sich nochmals diese Möglichkeit, ich wünsche es mir sehr….

Diesen letzten Tag verbringen wir an einem Ort, der uns gefunden hat. Yis liegt auf dem Bett und wälzt Bildbände ihrer Heimat, die unter dem Nachtisch liegen und ich kann mich nicht satt sehen an ihren interessierten Blicke ganz unweit von mir und den Selbstgesprächen, die sie manchmal führt, wenn sie etwas begeistert. Auch kann ich mich nicht satt sehen an dem Blick in eine vom Nebel verschleierte Ferne. 

Wir sind wieder deutlich in den Bergen, dennoch unmittelbar an der Küste auf einer Kaffeefarm eines kolumbianschen Engineurspärchen, das jüngst angefangen hat, eine  auf 1800m gelegene, abgelegene Finca der Familie zu einem „Agroturismo“ zu  gestalten an einem Ort, zu dem mir Attribute nicht weniger als „magisch“ einfallen. 

Dieser Ort  schaut hinab auf auf das Örtchen Ciénaga in der Mitte, das karibischer Meer zur Rechten und im Norden und den „Santuario“ zur Linken im Süden, ein Ort und Lichtermeer in einem, der in einen fast 60km langen Damm übergeht, auf dem sich die Lichter in der weiten Ferne langsam verlaufen, der aber in die Millionenstadt Barranquilla führt, die sich wohl aber nur an klaren Tagen und Nächten in der Ferne abzeichnet. Eine solche Nacht ist heute. Santa Marta selber liegt hinter einem Hügel, hinter dem Yis eine Lichtverschmutzung ausmachen wollte und hinter genau dem ab und an -genau wie mit Konstantin im Hamburger Wunderland- ein Miniaturflieger wie an der Kette gezogen durch das Dunkle gleitet.

Es war abermals ein kleines Abenteuer, diesen magischen  Ort zu erreichen, zählt er doch zum Örtchen Minca, ein Name, spricht man ihn langsam für sich selbst aus, bereits Assoziationen schafft: MINCA !

Minca liegt auf knapp 800m und hat sich wohl zu einem Mekka der hiesigen Lebenskünstler und Rucksacktouristen entwickelt, auch zu einem gateway zur ”Verlorenen Stadt”, die wir beide  hoffentlich ein anderes Mal zusammen finden werden – die Strasse über gut 13km stetig ansteigend und dabei manierlich ausgebaut, ist selbst kein grosses Abenteuer, allerdings setzte heute mit dem Blinker von der Hauptstrasse auch ein tropischer Regen ein, der sich an Berghängen immer heftiger entlud. Ab Minca schraubte sich die Strasse als Militärpfad zur Erschliessung der Serra de Santa Marta aber dann nochmals gut 13km und weitere 1000 Meter hoch in den wilden Regenwald. An die Zivilisation erinnern lediglich hier und da frische Werbeposter eines “Gran Fondo de Santa Marta“, der wohl bereits am 31. Julio hier ausgetragen wird. Mit 27er Reifen und im tropischen Regen kaum vorstellbar für mich ! Ich muss noch ein wenig recherchieren und wieder kommen: 20kg leichter und mit Liebe für mich selber und knapp 300Watt über 2  Stunden tretend wie damals vor ziemlich genau 11 Jahren am Col de La Croix de Fer während in Olesno, schluck, schluck, schluck es einfach runter, Dennis…

Der Tropische Regen hatte die Strasse an einigen Stellen bereits in einen reissenden Bach verwandelt und mir war -mittlerweile fernab der Zivilisation und Autos auf der Strasse- nicht wirklich wohl zumute, wusste ich, dass wir irgendwann von dieser Strasse, nein von diesem Militärpfad ab mussten und der gute letzte Kilometer nur noch per 4×4 zu bewältigen war. Nun ist der POLO kein 4×4 und so wurde uns per Email von Daniél angeraten, den Wagen nach 200m abzustellen, er sei dort gegen einen kleinen Ovolus an das dort lebende Pärchen sicher aufbewahrt. Der restliche nunmehr knappe Kilometer sei dann per Pedes steil am Berge zu bewältigen. Dank Yis klappte die Kommunikation am Parkplatz gut und wir scherzten bereits wegen des Wetters und des Zustands der Strasse und durften zudem sicher sein, dass ein Auge auf das Auto und seinem Inhalt geworfen würde und um das „Wachgeld“ sollten wir uns nicht sorgen, das könnten wir am nächsten Morgen bei einem Kaffee ausmachen.  

Wir packten leicht für die eine Nacht jeweils unsere Tagesrucksäcke und machten uns auf den Weg, der wiederum zumindest nicht trockenen Fusses zu begehen war, brach bereits ein kleiner Bach über seine unbestimmten Ufer. Jede mich begleitende Frau hätte mir schon längst vor gefühlten Stunden entrüstet den Mittelfinger gezeigt, nicht so Yis, sie zog lachend abermals die Schuhe aus und tänzelte die letzten 300m einfach barfuss zum TERRA MIA – unserem Tagesziel. Kein schlechtes Wort kam an diesem Tage über ihre Lippen, ich musste on Korsika 2012 denken.

Im TERRA MIA erwarteten uns Daniel und sein Frau. Sie entstammten unzweifelhaft ‚meiner’Welt, „weisser“ und gebildeter als der gemeine Mensch der ruppigen kolumbianischen Strasse, aber offensichtlich bereit, hart und auch risikoreich für ihre Träume zu arbeiten, an einem Ort, dessen wildes Potential unübersichtlich war. 

Daniel war bei sich, seine Art verriet dies und auch die 6 Kuppelkonstruktionen -in Form eines Geodäts- mit abenteuerlichen Fundamenten im Berghang, die sie bereits auf den Weg gebracht hatten, sehr durchdacht alles, liebevoll bis in Detail, aber man musste kein Tropenforscher sein, um zu erkennen, wie schwer das alles zu pflegen und zu unterhalten sei. 

In mir brach sofort der Ökonom durch – die Kaffeefarm mit nur einer Ernte pro Jahr war überhaupt nicht hinreichend kommuniziert, die wenigen Renzensionen machten mehr Sinn denn je, trafen Worte wie Paradies an prekärer Lage den Nagel bereits auf den Kopf. Hier arbeiten Menschen an einem Traum in einem Traum von Landschaft und ich hatte diesen Traum am eigentlich letzten Tag der Reise gefunden – nein, dieser Traum hatte uns gefunden !

Verfasst von: Dennis K. | 21. Juli 2022

Salz auf unserer Haut

Eine Fahrt mit dem Auto hatte ich bei meinen ersten, ausschliesslich dem Crosser geschuldeten Überlegungen zu einer Tour durch Kolumbien in Betracht gezogen. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich körperlich noch besser aufgestellt war und das Jahr mit ersten (Rad)Kilometern noch vor der Tür stand.

Seit ich aber mit Yis in Kontakt stehe, hatte ich selber einen Roadtrip zumindest ex Bogotá nicht mehr in Betracht gezogen, zumal Yis ja keinen Führerschein hat und wir uns eigentlich auf die Karibikküste konzentrieren und unseren Trip um eine 6-tägige Dschungeltour zur „sagenumwobenen“ Ciudad Perdida konstruieren wollten. Mir war schnell klar, eine wirklich begeisterte und ausdauernde Sportlerin zumindest auf -vielleicht auch irgendwann mit- zwei Beinen gefunden zu haben, an der ich mich körperlich ein wenig „hochziehen“ wollte. Nach dem ich während des Giros aber auch ein bisschen die (passive) Radsportbegeisterung in Yis spüren konnte, schlummerte in mir ein verwegener nicht ganz uneigenütziger Plan, erinnerte mich ihre androgyne Figur doch sehr an das legendäre Assos-Modell der Nullerjahre. So hatte ich zumindest mal einen Zweiteiler für sie im Gepäck 🙂 …

Nun kam alles anders, denn bereits am zweiten Tag in Bogotá machten Meldungen eines Karibikzyklons der Stufe 2 (ich dachte, die tropischen Stürme würden in der Karibik immer Hurricane genannt) und zahlreichen gestrichenen Flügen und üblen Überschwemmungen in der Küsteregion die Runde. „Machten die Runde“ ist wohl auch übertrieben, frage ich mich, ob ich überhaupt davon erfahren hätte, wäre ich alleine unterwegs gewesen.

Wir mussten also umdisponieren und machten das wunderschöne „Eje Cafeterio“ und das Valle de Cocora zu unserem ersten Anlaufpunkt. Diese Gegend hatte ich in den letzten Monaten ohnehin schon ein wenig „gescoutet“, bietet der von meinem Radfreund und Lebenskünstler Douglas empfohlene britische Anbieter Redspoke doch eine sehr ansprechend gestaltete Tour von Medellin nach Bogotá, eben primär durch das Kaffee-Dreieeck.

Nun ja, die machbaren Entfernungen sind hier im Auto doch deutlich reduzierter als ohnehin bereits befürchtet und die Fahrten im klimatisierten Polo mit knapp 400km Tages“range“ anstrengend wenn auch erlebnisreich, auch wenn Kolumbien im Magdalena-Tal zwischen der Mittel- und Ostkordillere landschaftlich nicht so wirklich attraktiv erscheint und sich die Fahrten wie Kaugummi ziehen. 

Die Ciudad-Perdida war zeitlich längst nicht mehr drin, hatten wir zuviel Zeit in den Mittelkordilleren rund um Medellín verbracht, trotzdem konnte ich es nicht übers Herz bringen, Kolumbien beim ersten Besuch wieder zu verlassen, ohne mit Yis zumindest ein paar Tage in der Gegend um Santa Marta, dem beliebtesten Nationalpark Kolumbiens dem „Parque Nacional Natural Tayrona“ zu Fusse der Serra Nevada de Santa Marta, immerhin mit 5775m das höchste Küstengebirge der Welt gewesen zu sein. Auch wollte ich selber zumindest ein paar kurze Tage unmittelbar „in der Karibik“ verbringen und derjenige sein, mit dem Yis das erste Mal in ihrem Leben das Meer besucht.

Nach einer ersten Übernachtung unmittelbar an einem der Badestrände unweit des Flughafen von Santa Marta, verbrachten wir noch drei Nächte in zwei sehr unterschiedlichen, aber höchst privilegiert gelegenen Orten östlich des „Parque Nacional Natural Tayrona“, in dem wir auch einen vollen Tag und knapp 11km Dschungelwanderung, also quasi „Ciudad Perdida (light)“ verbrachten.

Ich will wiederkommen, auch weiss ich wirklich nicht, was das Leben noch für Yis und mich bereithält: sie ist ein sehr sehr eigener Mensch, wenn auch aus materiell sehr einfachen Verhältnissen und bisher physisch so wenig umhergekommen, mit dem Finger im Internet hat sie aber schon die halbe Welt bereist, ist dabei für mich so attraktiv in ihrem Wunsch, das ein wenig nachzuholen und dabei gleichzeitig ausgestattet mit großer moralischer Integrität – ein wenig wie der Sympathieträger George im „Salz auf unserer Haut“. ..

Noch nie habe ich soooo dunkle, ein wenig furchteinflössende Augen gesehen, die soooo hell funkeln können ! 

Verfasst von: Dennis K. | 19. Juli 2022

Caverna de los Guácharos und Rafting auf dem Rio Claro

Am einzigen uns zur Verfügung stehenden vollen Tage wollten wir am Rio Claro etwas “Abenteuerliches” unternehmen und so liess Yis sich eingehend beraten mit der Folge, dass ich mich relativ schnell aus dieser ausklinkte und mich überraschen liess, was da so folgen sollte.

Konnte ich dem Rafting noch etwas abgewinnen, so war eine Höhlenwanderung nun wirklich nicht das, was mich vom Hocker warf, kam mir doch schnell eine europäische Tropfsteinhöhle mit ellenlangen Referaten in den Sinn zu Stalagmiten, Stalaktiten und -brächte man nur genügend Zeit mit- zu Stalagnaten. Das wollte ich mir weder auf spanisch noch in einer mir geläufigeren Sprache antun. Nun ja, es kam mal wieder alles anders…

Rafting

Um es kurz zu machen, das Rafting war eine nette Tour auf einem idylisch-tropischen Rio Claro in seiner ursprünglichen Form, der obgleich Hochwasser führend wohl eher ein Fluss für Raftinganfänger ist. Die zum Teil hunderte Meter hohen Karstwände erinnerten mich an den Gorge de Verdon in der Provence – die Tropenflora liess den Canyon aber exotischer wirken.

Die Sicherheitseinweisung auf spanisch war für mich ein wenig wie die Sicherheitshinweise vor dem Start eines Fluges. Wenn es drauf ankommt, fängt man wohl doch wieder bei null an. Yis offenbarte mir -mit einer ihr eigenen- natürlichen Ehrlichkeit, dass sie Nichtschwimmerin sei und eine gewisse Wasserphobie habe, daher verzichtete sie auch  auf das Treibenlassen im Fluss, in dem es wohl auch viele Piranhas gibt… Nun ja, auch das sollte für Yis im Laufe des Tages noch anders ganz kommen…

Insgesamt dauerte der Trip so knapp 2h und im Anschluss gab es ein wohl verdientes Bierchen, hatten wir unsere gemeinsame Wassertaufe auch ganz gut überstanden. Am abenteuerlich Aufregendsten war es insgesamt  als der Minibus mit den Booten im Schlepptau  auf der knapp halbstündigen Fahrt zurück in den Nationalparl einem Muldenkipper begegnete und keiner der beiden Fahrer wirklich Gas rausnahm.

Cavernas de las Guácharos

Im Camp angekommen zogen wir uns schnell trockene Sachen an und stärkten uns mit einer gegrillten Forelle. Ich hätte die Höhlenwanderung am liebsten abgesagt, hatten wir aber ”leider” schon gezahlt…. Spätestens aber beim abermaligen Briefing dämmerte mir, dass die Höhlenwanderung doch ein wenig anders verlaufen könnte als eine kontinentaleuropäische es versprach, so vergewisserte ich mich dann lieber doch mal bei Yis, was das mit den “aranas” und “scorpiones” auf sich habe, schnappte ich diese beiden mir doch geläufigen ”palabras” während eben dieses Briefings mehrfach auf. 

Yis und ich haben die Vereinbarung, dass, wenn es um etwas Wichtiges geht, wir einen Gesten-“cut” machen und sie dann mit mir spricht wie mit einem 5-Jährigen. So erklärte sie mir auf meine Nachfrage umstandsgerecht, ich solle meine kleinen Fettfingerchen nicht in irgendwelche Ritzen stecken, sondern nur an Orte, die ich vorher mit meiner Stirnlampe beleuchtet habe. Dann würde ich wohl auch nicht ungewünscht Kontakt haben mit den aranas und scorpiones – aha !

Nach etwa 20min der Wanderung verliessen wir dann nach einer Hängebrücke die Touripfade und kämpften uns gut 40min durch den Urwald stetig bergauf entlang eines Berges, den wir dann irgendwann einmal durchqueren würden, so meine Vermutung. Neben Urwaldriesen, die ansonsten nur im Amazonasregenwald heimisch sind, trafen wir auf Ameisenpfade, die wirklich sehenswert waren, konnte man aber auf diesen kaum ”verweilen”, ohne sich selber zum Pfad dieser Ameisen zu machen.

Auf der anderen Seite ging es dann bergab in ein Bachtal, dessen seichter Bach in eben diesen Berg zu verschwinden schien. Die grösse des “Bach”beckens liess aber verraten, dass es hier auch ganz anders zugehen könne. Wir rasteten eine Viertelstunde und wieder fielen die mir nicht so genehmen palabras” “aranas” und “scorpiones” – auf eine abermalige Klarstellung durch Yis verzichtete ich und so verschwanden wir hinter ein paar Felsen langsam in einem dunklen Loch.

Meine Aldistirnlampe ”Crivit” mit Akku leuchtete am hellsten unter allen ca. 18 Teilnehmern, was mir aber auch nicht lange half, mussten wir diese nämlich ausschalten als wir den ersten von den Guácharos bevölkerten Höhlenbereichen durchwarteten. Diese Ölvögel, auch Fettschwalme genannt, sind wohl sehr aggresiv, wenn ihre Nestquartiere dann doch einmal beleuchtet werden. Vielleicht liegt das auch einfach an der Tatsache, dass sie die lichtempfindlichsten Augen aller Vögel haben. Dazu orientieren sich als einzige Vogelart wie die Fledermäuse durch Echoortung. Nur dass der Mensch im Gegensatz zu den Fledermäusen diesen zugegebenerweise sehr tiefen Ton gut hören kann – er ist aber spookey, vor allen Dingen in einer Höhle !!!

Danach konnten wir die Lampen wieder anmachen, hatten wir den grössten und ca. 30m hohen Raum erreicht, der aber wiederum alle Rinnsale der Höhle zu einem Ausgang zu kanalisieren schien und da -so meine Vermutung- mussten wir dann durch. Ab hier nahm die Wanderung einen, nun ja ich nenne es mal feucht-spannende Wendung, denn wir mussten phasenweise durch schultertiefes Wasser waten und an mindestens 3 Stellen aus 2m Höhe in ein Wasserloch springen und uns dabei darauf verlassen, dass es tatsächlich überall genügend tief sei.

Hut ab, liebe Yis, wie Du das gemacht hast, das hat bei mir bleibenden Eindruck hinerlassen. Klar hattest Du eine Schwimmweste um, ich tat mich aber auch als sehr manierlicher Schwimmer mit den Sprüngen ins Unbekannte schwer. Diese Höhle wäre das perfekte Setting für jedes Teambildungevent gewesen und ich weiss seit diesem Tage wirklich, dass mein iPhone nicht nur wasserfest, sondern auch wirklich wasserdicht ist, trotzdem liess ich es nach dem ersten Sprung im Rucksack verschwinden, denn der Stress des Verlustes aus der Schwimmbermuda war ohnehin zu gross, hatte ich noch zusätzlich auf mein angeblich wasserdichtes Portmonee aufzupassen. Zwischenzeitlich wateten wir über dutzende von Metern durch schulterhohes, wenn auch angenehm warmes Wasser. 

Die Tropen haben ja auch was Gutes, erinnerte ich mich auf meine regenreichste (Rad)Fahrt durch Südthailand in einer der regenreichsten Gegenden mit über 10.000mm jährlichen NIederschlag.  Man fährt und fährt und es wird einem nicht kalt ! In der zwischenzeit steckte ich meine Fettfingerchen auch unkontrolliert in alle Ritzchen der Felsen, ich wollte einfach nur noch sicheren Halt. Als sich die Öffnung zeigte, die wir am Tage zuvor von der anderen Seite des Rio Claros gesehen hatten, gab es ein gemeinschaftliches Jauchzen und einige unserer Mithöhlenwanderer fielen sich regelrecht in die Arme. 

Yis quittierte das Abendteuer mit einem nüchternen, aber doch ein wenig Stolz verratenden ”uno miedo menos” ! In der Tat: ”eine Angst weniger !” und ein abermals toller Tag fand mit einem tobenden nächtlichen Tropengewitter -über eine geschlagene Stunde- einen würdigen Abschluss. Die Naturgewalten sind hier doch andere !

Dieses “leicht” abgewandelte Zitat von Robert Duvall ging mir gestern bei unserer ersten Wanderungen am tropischen RIO CLARO durch den Kopf. Der Rio Claro ist eine typische, aber doch sehr lohnenswerte “LONELY PLANET”-Empfehlung, die auch in meinem “Reise Know-How” zu finden ist. Wie empfehlenswert, sollten wir bald herausfinden.

Auf einer knapp 3-stündigen Fahrt haben wir das antioquiarische Hochland wieder verlassen und befinden uns nun am reissenden und nur 97km langen Rio Claro, der als schönster Fluss Antioquias gilt. So stieg das Thermometer auch kontinuierlich von 20,5°C bei der Abfahrt gegen 12:00h  auf über 33°C aber 1500HM tiefer und 2 Stunden später. Nach einer kurzen Recherche befinden wir uns jetzt auf 350m und somit sogar knapp unterhalb des heimischen Bodensees. Die gestrige, insgesamt gut zu bewältigende Fahrt erinnerte mich an die 60km lange Abfahrt aus dem Hochland des südlichen Tansanias hinunter an den 400m (?) hoch gelegenen Malawi-See, damals ein wenig ausgezehrt vom leichten aber beständigen Durchfall seit Arusha und kurz vor meiner ersten Dosis Antibiotikum. 

Gegen Ende nahm der Schwerverkehr wieder zu und so gab es auch einmal wieder einen geführten Baustellenverkehr mit den fliegenden Verkäufern: Ein Porträt dieses uns versorgenden Mannes wäre ein sensationelles Bild für Kristian Pletten geworden, leider traute ich mich nicht ihn um eins zu bitten, dafür erfüllte er mir einen anderen Kindheitswunsch, den ich mir deutlich kleiner dafür aber für 10 Pfennig und häufig im halben Dutzen im Sommer mit meinem deutlich zu früh verstorbenen Kindergartenfreund Frank erfüllte: Wassereis in XXL !

Was ich in der Klinik wieder verstärkt gelernt habe, ist auf meine Sinne zu achten, kam mir der Geruch von DEET nicht ungefähr in den Sinn, sondern nahm ich ihn bereits wahr, bevor ich die beiden blonden Geruchträger sehen konnte, liefen wir bei unserer ersten Orientierungs-Wanderung auf sie auf. 

Am Abend würden wir unsererseit auch das erste Mal DEET auftragen müssen. In den tropischen Gegenden ist Malaria ein Thema, aber wohl kein so ausgeprägtes wie v.a. in Malawi und Sambia damals, daher habe ich nur eine Packung Malarone (mittlerweile als “Ratiopharm” erhältlich) als Stand-by im Gepäck, werde es aber hier nicht als Prophylaxe verwenden. 

DEET wirkt, DEET ist das Einzige, was wirklich wirkt, natürlich wirken gute die Haut verdeckende Kleidung und das nächtliche Moskitonetz auch – letzteres vorzugsweise ohne Löcher, was in Afrika aber eher die Ausnahme war. 

Heute Nacht finden wir ein solches auch zum ersten Mal über unserem Bett vor  in einer einfachen aber sensationell in die tropische Landschaft integrierten Unterkunft, an der man auch vorbeilaufen könnte, würde eine Abzweigung des Weges nicht auf das Refugium hinweisen.  

DEET hat eine ähnliche Wirkung auf mich, wie verbranntes Kerosin am Flughafen, es aktiviert positiv belegte Erinnerungen in mir, ein bisschen wie die Napfzubereitung eines Hundes – gleich gibt es lecker…

Auch wenn ich objektiv im Moment nicht mehr so gut für die Tropen geeignet bin, wie noch vor 11 Jahren, fühle ich mich in den Tropen doch sehr wohl. Auch mag ich die Trockensavanne bzw. die Wüste gerne. Was ich nicht mag ist die Höhe nahe des Äquators mit jenseits von 2500HM merklich knapperen Sauerstoff und schnellen, extremen Temperaturunterschieden vor allen zum Sonnenaufgang und -untergang. Daher auch mein grosser Respekt vor der Südamerikatraverse von Cartagena und Ushuaia. Offensichtlich verfügt mein Körper im Moment einfach über ein paar unnötige Falten mehr, an denen sich Feuchtigkeit halten kann, aber dennoch fühle ich mich in den Tropen schon wieder sehr wohl. Die Tropen riechen so speziell und die Geräuschkulisse ist einmalig, letztere wird hier leider vor allem in unserem Refugium deutlich vom rauschenden Rio Claro übertönt. Auf unserem kleinen Balkon konnte ich diese Tropen heute in einer ganz besonderen Art und Weise folgen. Sonnenaufgang war 5:53 und die Sonne wird um 18:18h untergehen. So machten wir uns noch noch 20min flussaufwärts, versprach die Karte des Nationalparks dort einen “kleinen Badestrand”, den Playa Manantial. 

Ich konnte einer kleinen Abkühlung nicht widerstehen. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass Yis und ich ziemlich genau 23h und 42min später aus diesem Loch krabbeln würden und mir diese kleine Kolumbianerin abermals so viel Respekt abverlangen würde.

Noch wusste ich nicht, was uns hinter diesem schwarzen LOCH erwartet
Verfasst von: Dennis K. | 14. Juli 2022

Zu Gast bei den Narcos ?

Na gut, diese Headline ist wohl ein bisschen arg reisserisch und sehr wahrscheinlich meiner Phantasie entsprungen, vielleicht aber auch nicht ?! Dazu gleich ein bisschen mehr…

Eineinhalb gut zu fahrende Autostunden von Medellín entfernt befindet sich Guatapé bzw. der Stausee Peñol-Guatapé, der Tegernsee Medellíns. Dieser sich auf 1880m Höhe befindliche Stausee wurde als Stromerzeugungsprojekt für die sich rasant entwickelte Metropole Medellín Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts errichtet und dient heute u.a. als nobles Naherholungsgebiet der wohlhabenden Medellíner, die zum grossen Teil ihre architektonisch modernen Ferienhäuser in unmittelbarer Seenähe errichtet haben und das auf zum Teil riesigen Grundstücken. Die unzähligen Arme und Ärmchen des Stausees lassen sich nur durch beeindruckende Luftaufnahmen erahnen oder halt vom Piedra del Peñol, dem Fels von Guatapé. Diesen wollen wir heute auf über 600 Stufen ersteigen und ich befürchte, dass meine „miedo a las alturas“ mich von diesem Vorhaben abhalten könnte.

Nun aber erstmal zu den „Narcos“

Die Fahrt aus Medellín war entspannt führte sie schon vor dem Stadtkern in östliche Richtung aus dem Aburrá-Tal hinaus wieder auf deutlich über 2000m. Wir machten ordentlich Kilometer und so wunderte ich mich, dass GoogleMaps abermals über 2h für die lediglich 84km aufrief, waren wir doch nach 90min kurz vor Guatapé und mussten dann noch 12km entlang des Seeufers zum zauberhaft gelegenen Hotel „La Magdalena“. Auf diesen 12km offenbarte sich dann abermals die ganze Wildheit Kolumbiens, aber auch der Reiz dieses Landes.

Die Strasse wurden schnell zu einer Naturstrasse, die aber hier offensichtlich dem omnipräsenten Problem der Bodenerosion ausgesetzt war. Yis schien das Problem der Erosion vor allem in dieser Region bekannt zu sein, machten wir in der nächsten halben Stunde dutzende, wenn nicht ganz hunderte von Stellen aus, an denen der Hang ins Rutschen kam. Durch den Stausee könne das Terrain das Wasser nicht mehr nach unten abführen, so Yis von mir umüberprüfte Hypothese.

Kurz nach dem Abbiegen auf die Naturstrasse hatte ich wieder etwas zu entdecken, was mir eben doch sehr viel Spass macht, nämlich Pablo Escobars verfallene Hacienda „La Manuela“ auszumachen, die ähnlich privilegiert wie unser „Hotel“ eine ganze Landzunge für sich in Anspruch nahm.

Der Weg wurde immer abenteuerlicher, hatten wir an zwei oder drei Stellen gar recht frische Erosionen auf der Strasse zu traversieren. Links und rechts befanden sich immer wieder einfache Hütten der „normalen Kolumbianer“, die auf den Weiden vor allem Rinder züchteten bzw. im kleinerem Masstab in der Subsistenzwirtschaft unterhielten, aber auch überall Schilder mit „Lot sevendre tel: 633…..“ gab es auszumachen.

So ergab sich mir ein Bild, das mich sehr an das südliche Hochland Tansanias erinnerte, geschwungene immer grüne Hügel auf unbefestigten der Erosion ausgesetzten Naturstrassen. Nur die Nobelhütten der absoluten Oberschicht, die auffällig vielen Erosionswunden in der Landschaft und der Stausee, der eine unwirkliche, scharfe Wasserkante schnitt, „störten“ den Blick in eine ansonsten so harmonische Landschaft.

Die Fahrt führte im Schritttempo in Richtung Ziel, als uns dann noch ein Chiva (diesen Wikipediaeintrag gibt es leider nur auf spanisch) entgegen kam, verlor ich kurzzeitig den Glauben an die verbliebene Vernuft der Menschheit – das Chiva war zumindest im Partybereich leer und laute Musik spielte es auch nicht !

Was machte dieses verdammte Chiva hier, warum kam es so schnell angerauscht und wie konnte ich ihm halbwegs sicher ausweichen… ??? Das bedrohlich dreinblickende Fahrerhaus kommt im schnell gemachten Bild leider nicht wirklich rüber….

Der Parkplatz direkt vor der „Lobby“ war verwaist und wir wurden direkt herzlich begrüsst und noch bevor Yis ihre Cedula bzw. ich meinen Reisepass präsentieren konnten, bekamen wir einen Drink serviert, der eine Weiterfahrt verunmöglichte. Das Ding hatte zwar ein bisschen die Farbe eines grünen „jugos“, ansonsten erinnerte er mich aber ein Wasserglas Wodka in Russland. Ich nehme an, es war auf Basis von Aquardiente bzw. Antioqueño, einem hier gerne getrunkenen Anis/Zuckerrohr-Schapps und der jugo wurde nur aus optischen Gründen hinzugemixt.

Yis liess ihren stehen und auch ich hätte ihn aus anderen Gründen abgelehnt, wäre er nicht von „Hotel“ gekommen. Das Hotel stellte sich auch eher als riesige Finca für Menschen dar, die es sich gerne mit ihrer grossen Familie bzw. einem grossen Freundeskreis gut gehen lassen. So führte der Weg in die Rezeption durch ein grosses Garagentor und ein Stellplatz unmittelbar im Inneren war in weissem Marmor eingezeichnet. Meine Vermutung: so fährt der Eigentümer vor !

Garage zur Rezeption ?

So hatten wir auch ein weiteres Problem zu bewältigen: entgegen den Angaben bei booking.com wurde neben Barzahlung nur Vorabüberweisung akzeptiert. Die ansonsten in Kolumbien omnipräsente Kreditkarte war hier nicht vorgesehen. Ich bot an, in Dollar zu zahlen, aber nicht zum Kurs von 3500pesos zum Dollar, sondern eher deutlich in Richtung des Bankenkurses von nunmehr fast 4500pesos.

Die Rezeptionisten teilte uns mit, sie würde das Problem mit booking lösen – bisher habe ich weder von booking eine Email bekommen, noch eine No-show Abbuchung. Wir lassen uns mal überraschen. Da wir allerdings die günstigsteZimmerkategorie gewählt hatten, wurden wir aus dem Haupthaus ausquartiert in ein Seitengebäude mit 4 Doppelzimmereinheiten, neben einer Menge Schnaps befinden sich auch Kondome und Kopfschmerztabletten in der Minibar ! Ich nehme an, hier lassen es die Kolumbianer krachen, zumindest dann, wenn das Hotel wieder Privathacienda der Eigentümer ist.

Nach 2 Übernachtungen und unglaublichen Gewittern in der Nacht hatten wir genug von dem Hotel, mein einziger Austausch neben Yis war mit einem Amerikanischen Pärchen, was ebenso erstaunt war wie wir und in der Folge auch nur eine Nacht blieb.

Zum Abschluss noch ein bisschen weiteren Stoff aus Narcos bzw. aus meiner Phantasie: die Köchin konnte richtig kochen war aber für ein Mädchen auf dem Lande ein wenig viel tätowiert und das Zimmermädchen hat unser Zimmer aufgeräumt, wie es mir in vielen, vielen Jahren des Reisens noch nie untergekommen ist.

Alles was nicht in einem abgeschlossen Koffer war befand sich höchst penibel eingeräumt im Schrank. Dummerweise habe ich den vorgefundenen Schrankinhalt nicht fotografiert. Pablos liebste Mitarbeiter waren seine Köchin und die Mamas, die sich ums Haus gekümmert haben…..

Unsere erste Wanderung endete nach knapp 2km in einem fürchterlichen Gewitter, die zweite gut 10km lange Wanderung führte mich allein entlang des Sees und ich konnte das erste Mal den Unterschied zwischen einer Solofahrt und einer Solowanderung in einem spannenden, mir doch sehr fremden Land „erspüren“. Auf dem Crosser hat man (zumindest austrainiert) einen deutlich grösseren Range, denn mehr als 30km zu Fuss scheinen mir in diesem Land bereits ambitioniert. Der Kontakt mit den Menschen ist auf dem Fahrrad ähnlich, der Kontakt mit den Hunden zu Fuss furchteinflössender, neben den kleinen Kläfferern halten die Kolumbianer sich wirklich grosse Hirtenhunde ! Ein paar Begegnungen führten in meinem Kopf zu Kopfkino, vor allem als mir 2 Polizeimotos inkl. Sozius und ein vollgepackter Truck mit mindestens 6 Polizisten zügig entgegen kam in dieser Menschenleere !

Von der Tour de Francia, meiner Frisörin Emilse und der Teilbesteigung des Felsen von Guatapé

Nach der ersten richtigen Alpenetappe auf dem Fernseher, die wir teils aus dem Bett teils bei einem ausgezeichneten Frühstück unserer tätowierten Köchin verfolgten, schmecken mir die frischen Ananas hier wie zuletzt in Malawi vor 11 Jahren. Der kolumbianische Bergspezialist Nairo Quintana holte heute einen hervorragenden zweiten Platz und befindet sich in der Gesamtwertung auch nunmehr auf Platz 5, der kolumbianische Toursieger Egan Bernal ist nach seinem schweren Trainingsturz leider noch nicht wieder einsatzbereit, ist zudem unklar, ob er seine Karriere überhaupt fortführen wird. Gerne wäre ich mal während eines kolumbianischen Toursieges in diesem Land. Interessant auch wie emotional die Kolumbianer die Schlusskilometer kommentieren können, auch wenn ich natürlich nicht jedes Wort verstand, mehr Emotionen als bei Herbert Watterrot und seinen plastifizierten Rennanzügen gibt es allemal !

Auf ging’s ins gut 45min und 10km Luftlinie entfernte Guatapé.

Nach dem Check-Intim netten Hotel Santorini schliff Yis mich sehr bestimmend zum Frisör: Vollbehandlung unten und oben durch Flora Emilse stand auf dem Programm. Emilse in meinem Alter sammelte schnell Punkte, als sie die frische Rasierklinge an meiner Halsschlagader ansetzte und Yis zuraunte, ich habe Augen wie der wolkenlose Himmel – das hört mein geschundenes Männerherz gern und ich liess dieses Frauentandem auch frei gewähren. eine knappe Stunde später und 9 € weniger für unten und oben, verliess ich noch nicht hübsch aber zumindest wieder anständig frisiert Flora Emilses „Salon“ und wir steuerten den gut 2km entfernten Fels an.

Leider waren die Treppen zum Aufgang sehr exponiert, dass ich Höhenangst bekam und ich schickte Yis alleine weiter. Im Innenring, der die erfolgreichen Besteiger wieder nach unten führte, konnte ich problemlos aufsteigen, allerdings führte es zu immer wieder zu Verstopfungen als mir meist sehr schwergewichtige Frauen entgegen kamen. Die Bilder entstammen Yis Telefon, ich schaffte es wegen Höhenangst und „Treppen“Verstopfung nur bis knapp unter die Marienfigur !

Verfasst von: Dennis K. | 12. Juli 2022

Mittelschwere Wanderung im Valle de Cocora

Zwei sehr schöne Übernachtungen hatten wir gebucht, die erste Nacht ausserhalb von Bogotá war das „Hotel Estrella del Monte“ bei einem sehr bemühten holländisch-kolumbianischen Pärchen, das zusammen mit super freundlichen Mitarbeitern auf einer beeindruckenden Hacienda unmittelbar vor den Toren von Armenia ein zauberhaftes „kleines“ Hotel betrieb. Keine Autostunde davon entfernt befand sich mein/unser erstes Glamping, Glamorous Camping ! Das Glamping Lumbre war idyllisch gelegen inmitten unberührter, wilder Natur eines Unesco World Heritage und verband eine aussergewöhnliche Lage mit den Annehmlichkeiten eines Hotels. Es befand sich ca. 10km oberhalb von Salento im Valle del Cocora auf knapp unter 2000m Höhe. Somit waren Hotelwechsel und Check-out und Check-in schnell erledigt und wir entschieden uns gegen 14:00 noch für eine Wanderung…

Ein Blick in komoot empfahl in diesem bevorzugten Wandergebiet leider nur zwei Wanderung – eine davon deckte sich mit der in meinem Kolumbienführer „Reise Know-How“ beschriebenen: mittelschwer, knapp 700hm bei einer veranschlagten Wanderzeit von knapp über 4h. Sonnenuntergang war um 18:18h, man konnte die Tour aber noch ein wenig abkürzen. Das sollte hinhauen.

Gegen 15:00 verliessen wir den Parkplatz ich eingecremt und zu Yis Erheiterung bewaffnet mit Wanderstöcken, wir mit genügend Wasser ausgestattet in leicht ansteigendem Gelände entlang eines Gebirgsbaches, der in ein sich verjüngendes Tal hineinführte umrahmt von immergrünen 3000ern. Holsteinkühe auf steilen Weiden wähnten uns fast auf Schweizer Almen. Beim Kontrollhäuschen zahlten wir 10.000 pesos Eintritt in den Nationalpark und der junge Mann fragte uns, wo wir hinwollten, wäre es doch schon für „die Runde“ ein wenig spät, selbstbewusst zeigte ich ihm „meine“ Runde auf meinem Telefon und sein Stirnrunzeln wollte ich nicht wirklich zur Kenntnis nehmen. Meine voluminöse Erscheinung liess den Ranger wohl denken, er soll den „Gringo“ ruhig mal machen lassen. Das tat er dann auch und der Gringo fing an zu machen…

Der Wanderpfad war sichtbar regelmässig von Maultieren begangen: das würde also nicht so schlimm werden, dachte ich. Im schlimmsten Falle würden wir nach eineinhalb Stunden einfach umkehren. Ich würde nicht zum letzten Mal auf dieser Reise deutlich falsch „denken“, verschwanden Yis und ich (auf dem dritten Bild) nach gut 30min und hervorragendem Fortschritt auf der App im kolumbianischen „Hochdschungel“ und wie man am Wasserfall erkennen kann, wurde der liebliche Bach zu einem reissende Gebirgsbach.

Danach überquerten wir mehr oder weniger elegant 6 oder 7mal diesen Bach und mit jeder Überquerung nahm die Qualität und die Vollzähligkeit der Beplankung auf diesen abenteuerlich gespannten Brücken ab. Mehr elegant traversierte Yis diese Gewässer, weniger elegant ihr Begleiter.

Meine Höhenangst stellte sich noch nicht einer weiteren Begehung in den Weg, der kognitive Part in mir vergegenwärtigte mir einfach in Regelmässigkeit , dass nicht der Sturz selber zum Tode führen würde, sondern lediglich das nachfolgende Ertrinken und ein Wasserphobie habe ich ja glücklicherweise nicht. Ich blieb also weiterhin im Maultierrennen – kein Witz, vor allen die Maultierspuren wollten mir immer irgendwie vergegenwärtigen, es sei alles nicht so schlimm….

Nach der letzten doch sehr klapprigen (Hänge)Brücke versperrte uns noch ein Baum samt Erdrutsch den Weg und ich hatte schon ein feuchtes Höschen, hatte ich doch Mühe der wieselflinken Yis zu folgen. Das Höschen war in den folgenden 40min so feucht, dass es nicht mehr gereicht weitere „Föteli“ zu machen, denn in der Zwischenzeit waren wir schon bei knapp 2200m angekommen, hatten aber noch weniger als 2h Tageslicht und noch gut 600 Hm an steilen Anstieg zu bewältigen und der Point of Return wurde gedanklich mit jeden Schritt weiter nicht wirklich attraktiver…

Exkurse machen Spass, erinnerte ich mich doch nach 20 Jahren an meinen 30. Geburtstag in den Schweizer Bergen als Schulfreund Manni Kot(t)ig noch immer vom Abend vorher sternhagelvoll und deutlich an den 120kg kratzend und sich über die „bissigen Anstiege“ lustig machend einer Wanderkatastrophe nur durch viel Glück entging. Sollte mich das gleiche Schicksal nun stocknüchtern ereilen ?

Ich japste schon nach Luft und für 600Hm sollte man in meinem Zustand doch eine schon eine gute Stunde einplanen. Ich bekam wirklich Angst, wollte und konnte diese Angst Yis aber nicht kommunizieren, nur so viel: vom Bild des Ameisenbärs (?)* bis zum Bild des Gringobärs an der Lichtung gab es keine weiteren Bilder, weil der Gringobär die Buchse gestrichen voll hatte und sich an der aeroben Schwelle den wirklich Steilen Berg hochtrieb. Die ihn immer noch begleitenden Hufspuren nahm er dabei nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis: die Paarhufer scheinen nicht nur über Brücken fliegen zu können, sondern auch den Berg hoch !

*manche Dinge erfährt man lieber erst in Nachhinein: der vermeintliche Ameisenbär stellte sich als Brillenbär heraus, dessen Männchen mir bis mir knapp über den Kopf wächst und auch mit bis zu 180kg eine andere Gewichtsklasse darstellt – es gibt ihn nur in Südamerika und begegnet ist er uns zum Glück nicht !

Oben erwarte uns die eine alte Bergbäuerin in ihrer Finca La Montaña und verpflegte uns mit einem Arepa und verneinte gegen 17:15h lachend, ob der weitere Weg peligroso sei ! Meinen Bilderwunsch, ich hatte gerade meine Lebensretterin getroffen, widersprach sie leider höflich aber bestimmt.

So ging es auf einem Kinderpopoweg eine gute Stunde ins Tal und wir passierten den Weg, den die bequemen Kolumbianer nehmen, um ihrer Nationalpflanze zu begegnen: der bis zu 60m hohen und fast nur in diesem Tal anzutreffenden Wachspalme. Das Bild von Yis kennt Ihr ja schon, ein paar weitere zum Abschluss runden diesen tollen Nachmittag ab:

Quintessenz nicht nur die google-Maps Strassenkarten genau angucken, in Deiner Verfassung auch die Wandervorschläge, so bringst Du Deine fitte Wanderbegleitung auch vor und nicht erst 10min nach dem Sonnenuntergang zurück zum Parkplatz und weiter zum Glamping, denn dieser Weg ging dann auch nochmals einen halben Kilometer durch die kolumbianische Pampa ! Da war das feuchte Höschen aber wieder trocken und so hat es auch für ein paar Bilder gereicht !

Verfasst von: Dennis K. | 11. Juli 2022

Medellín – „Somos lo que dejamos a los demás“

„Somos lo que dejamos a los demás“ (Wir sind, was wir den uns Folgenden hinterlassen). Dieses Zitat wird in Kolumbien vor allem Hernando Baquero Borda zugeschrieben. Borda war Richter am Obersten Gericht Kolumbiens und wirkte massgeblich mit an der Ausarbeitung des Auslieferungsabkommens zwischen Kolumbien und den USA in den 80er Jahren und befand in der Folge über Auslieferungsanträge der US-Behörden. Am 31. Juli 1986 wurde er von Motorrad-Sicarios des Medellín-Kartelles im Beisein seiner Frau kaltblütig in seinem Renault 5 ermordet.

Diese Zitat schmückt auch die Gedenkstätte unweit unseres Hotels, das an die Stadtvilla Pablo Escobar „Edificio Mónaco“ erinnert, die im Februar 2019 abgerissen wurde. Nach meinen Eindrücken und Empfinden wurde die schwarze Wand an das Vietnam Veterans Memorial angelehnt, nur schmücken nicht 58000 Namen die Vorderseite sondern mindestens so viele, aber gefühlt unzählige Löcher die schwarze Wand. Löcher für die unzähligen Toten, des Drogenkrieges, der vor allem ab Mitte der 80iger Jahre das Land mit Angst und Schrecken überzog. Auf der Rückseite werden alle Attentate aufgeführt, u.a. das Attentat auf Borda und den Avianca-Flug 203, an dem 107 Unschuldige den Tod fanden.

An dieser Gedenkstätte begann unsere knapp 7stündige Tour durch Medellín und das Zitat Bordas regte mich einmal mehr an, auch über meinen Sohn Konstantin nachzudenken, wird er doch das vorfinden, was seine Eltern ihm hinterlassen. Liebe Jenny, ich halte einmal mehr ein und widme mich dem „Hier und Jetzt“ mit der Hoffnung, dass die Verbitterung über Lug und Trug irgendwann nur noch ein blasser Schleier über einer insgesamt toxischen Vergangenheit ist ;-)…

Die Größe Medellíns konnten wir bereits am Abend zuvor von der Skybar auf der Dachterrasse des Hotels erahnen. Die Barrios der Unterprivilegierten, die sich links und rechts des Tales die Hänge hunderte von Höhenmetern hochziehen, geben ein ganz anderen Lichtschleier ab als das, was man von den Grossstätten Europas oder v.a. Nordamerika gewohnt ist – weniger klar und verschwommener, doch irgendwie viel lebendiger und auch ein bisschen beängstigender.

Nach dem Besuch der Gedenkstätte unweit des Hotels lösten wir ein Aufladeticket für die verhältnismässig saubere und sehr sichere Metro, die meist entlang des Rio Medellín von der noch nördlich des El Poblada gelegenen Haltestelle Aquacatal einmal fast durch die gesamte Stadt zur bekannten Station Acevedo führt, die ihrerseits zum Fusse der ärmsten Barrios der Stadt liegt, die sich eindrucksvoll über 500Höhenmeter den Hang hochziehen und in den letzten beiden Jahrzehnten durch ein Gondelbahnsystem erschlossen wurden. Der zum Teil im oberen, südlichen Bereich fast reine Rio Medellín hatte sich spätestens ab dem Stadtkern in eine stinkende Kloake verwandelt und die an den Fluss angrenzenden Hütten waren schaurig und der Gestank zog sogar in die vorbeirasende Metro.

Die nun folgende Fahrt gehörte für mich zu den eindrucksvollsten „touristischen“ Erlebnissen meines Lebens, gelangte man in weniger als 15Minuten hautnah von einer Welt der „Habenden“ in eine Welt der „Ausgeschlossenen“, auch wenn gerade dieses Gondelbahnprojekt enorm zur Befriedung und Teilhabe beigetragen hat. Nach knapp 10Minuten Godelfahrt als Teil des öffentlichen und sehr sehr günstigen Stadtverkehrs erreichten wir die Endstation Santo Domingo als lebendigster Teil von Barrios, die in Brasilien Favelas genannt würden.

Laut Yis haben diese hier keinen eigenen Namen sondern werden nur Communas genannt, die einen eigenen Namen haben. Dabei merkte sie an, wie einfach schon ihr Barrio sei, dass diese aber hier sich noch deutlich ärmer darstellten. Yis hat zwar fliessendes Wasser, aber die Wasserversorgung ist besonders während der Regenzeiten unsicher und Yis elterliches Haus verfügt auch nicht über warmes Wasser. Daher freut sie sich über die Annehmlichkeiten unserer Hotels wie ein kleines Kind und nimmt lange, lange warmen Duschen und die Bitte der Hotels nur das nötigste Wasser zu nutzen, lacht sie den Luxus gerne umarmend einfach und regelmässig weg. Es sei ihr gegönnt !

Ab Santo Domingo stiegen wir dann nochmals um in eine touristische Gondel, die das Hochland über dem Tal erschloss: nochmals 15min und weitere 300 Höhenmeter und wir waren im Arví-Parque, einem 16000 Hektar grossen Naturschutzgebiete, das sich als dicht bewachsener tropischer Hochwald -so weit das Auge reicht und dabei fast menschenleer- darstellte: welche Kontraste in nur 30min Gondelfahrt !

Wir genossen die Sonne und die kühleren Temperaturen und waren wieder angekommen auf 2300m. Ich verschob weitere Erkundungen dieses Naturschutzgebietes auf einen Besuch in der hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft, galt es doch noch die andere Seite des Tals u.a. die Communa 13 aus der sicheren Luft zu erkunden. Auch nahm ich zur Kenntnis, dass der Eintritt in den Park für mich 40.000pesos (knapp9€) gekostet hätte, für Yis hingegen nur 2,5€. Dies kannte ich bisher nur aus Prag in den 90ern und aus einigen Ländern in Afrika, ist aber für mich grundsätzlich nachvollziehbar !

Nach einer Fahrt zurück fuhren wir in den Stadtkern rund um den Plaza Bottero, den wir selber aber erst nach einem weiteren Ausflug und als Abschluss des Tages erkunden wollten. Zunächst ging es auf ähnliche Weise noch in die prekären Barrios auf der anderen Seite des Tales u.a. in die bekannte Communa 13, via der Haltestelle San Antonia in der Metro B nach San Javier und mit der Gondel hoch über San Juan XXIII an den Aussichtspunkt La Aurora, der oberhalb der prekäreren Viertel ein Viertel der aufstrebenden Mittelschicht darzustellen scheint.

Abschluss eines Tages vor allen voller nachhaltiger Eindrücke stellte ein frühes Comida und ein Besuch des Plaza Botteros bei Sonnenuntergang dar und die in Bronze gehaltenen Skulpturen des gleichnamigen Künstlers führen nicht nur bei Kolumbianern zu Klamauk und lachenden Gesichtern.

Danke, Yis, für diesen abermals tollen, eindrucksvollen Tag und dass Du mir diese Reise so viel reisewerter machst !

Verfasst von: Dennis K. | 11. Juli 2022

Medellín, Guatapé und Popayán

Spricht man diese Städte mit kolumbianischen, noch besser im hiesigen antioquiarischkolumbianischen Akzent aus, so fühle ich mich immer gleich versetzt in die  fesselnde Narcos-Reihe um Pablo Escobar. 

Nach 5 Nächten im landschaftlich berauschenden “Valle del Cocora” und im “Eje Cafetero” stand eine zweite Überführungsetappe ins gut 300km entfernte Medellín auf dem Plan – nach der doch fahrerisch sehr anstrengenden Etappe aus Bogotá, die ich dem Reiseblog noch immer schulde und dem Unfall am Eingang zum Valle del Cocora, wollte  ich mich auf diese Etappe nicht wirklich freuen, wies google-Maps abermals 7h als Fahrzeit aus.

Diese Google-Schätzungen waren bisher erschreckend gut, erwiesen sich leider aber zumindest aus Bogotá heraus als zeitlich ambitioniert. Bevor es richtig losging, tankten Yis und ich in Montenegro zum ersten Mal und erfreut musste ich feststellen, dass Tanken ohne die europäischen Steuerbelastung auch zu turbulenten geopolitischen Zeiten eine durchaus bezahlbare Angelegenheit sein kann: hier kostet der Liter Benzin umgerecht 57c und der Polo begnügt sich mit weniger als 7 Litern! Ich glaube, ich habe mich nicht verrechnet, kostet die Gallone hier 9.600 pesos. Der kleine Polo war mit 11 “Gallonen” wieder voll und ich hatte mit ein bisschen Trinkgeld fürs Wischerwasserauffüllen und Ölcheck 120.000 pesos, also gut 27€ gezahlt für die ersten 500km. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass die Sprittkosten nochmals um den Faktor von knapp 200% steigen für die zahlreichen péajes – also die Mautstellen, auf denen regelmässig zwischen 8.000 und 18.000 pesos (2 und 5€) aufgerufen werden. Diese haben aber nur Autos, Busse und natürlich (gewogen) die LKW zu entrichten, die omnipräsenten Motos nicht. Das Motorrad aus dem Yis Träume sind, wird (so glaube ich) in Indien zusammengebaut, wurde aber -was man auf den ersten Blick erkennt- in Italien designed und kostet ziemlich genau 10.000.000peso knapp 2300€. Dafür müsste sie aber gut und gerne 2 Jahren arbeiten und eisern sparen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die günstigen Spirttkosten wohl wieder sehr relativ.

Es folgte ein zäher Start mit viel LKW-Verkehr auf wechselnd ein- und zweispurigen Landstraßen, der sich um den Mittag in eine durchaus  angenehme Fahrt entwickelte und kurz erschienen die 7h als gut machbar – leider nur kurz, denn nach einer landschaftlich höchst beeindruckenden Fahrt entlang des reissenden, sedimentreichen Rio Cauca über viele, viele  dutzende Kilometer entwickelte sich das Schlussstück entlang diese Flusses als Großbaustelle mit regelmässig einspurig geführten Verkehr und erheblichen Standzeiten. nämlich genau dann, wenn der Gegenverkehr an der Reihe war und die Ampeln auf “rot” gestellt wurden.

Exkurs

Der Rio Cauca ist der größte Nebenfluss des Rio Magdalena, der irgendwie die zentrale Lebensader Kolumbiens darzustellen scheint, liegt er zwischen den beiden Hochkordilleren und entwässert ein Gebiet grösser als die alte Bundesrepublik. Er ist beidseitig von bis über 5000m hohen Vulkankegeln umrahmt. Die wohl neben Cartagena ansehnlichste Kolonialstadt Kolumbien, Popayán, ist Hauptstadt des Departemento Cauca, das wir aber nicht annähernd streiften, durchquerten wir „nur“ das Departmento “Valle de Cauca” mit seiner Hauptstadt Cali, die wir aber auch links liegen ließen. Wir passierten lediglich die Stadt Cartago und fuhren quasi ab dieser immer am Rio Cauca entlang. Nach dem Zusammenbruch sowohl des Medellín-als auch Cali-Kartells ab Mitte der 90er Jahre kam das hier ansässige “Norte-del-Valle-Kartell” auf, das eine Allianz mit dem berühmten mexikanischen Sinaloa-Kartell als Zulieferer einging, wo wir bei “Narcos-Mexiko” und “El Chapo” wären. Ich habe diese Drogenkartellserien alle gesehen und schon damals immer mal wieder -vor allem in den mexikanischen Serien- den Atlas hervorgeholt.

Diese “Ampelstellen” -unterhalten von funkversorgten Schilderträgern- werden hier immer von den fliegenden Händlern versorgt. Wäre ich ohne lokale Begleitung unterwegs, hätte ich wahrscheinlich immer drei Kreuzzeichen gemacht, wenn ich diesen Händlern ohne viel Augenkontakt entkommen konnte. Mit Yis war das ganz anders: wir freuten uns quasi auf die Mobilversorung und ich lernte so viel Neues kennen, so zum Beispiel die leckeren  “Arepas de Choclo” – sehr gesunde Mais-Arepas.

Auch stellte sich langsam mein doch sehr angeschlagenes, wohlstandgeschundenes Verdauunssystem wieder zuverlässig auf Abenteuer modus um. Die wahrscheinlich einen ganzen Tag schon der Hitze ausgesetzten gesalzten Mangoscheiben, hätten den einen oder anderen wohl in Kalamitäten gebracht, ein kurzer “Kackreiz” -ich hatte mir ja vorgenommen, die Dinge hier beim Namen zu nennen- erinnerte mich an die eiserne Regel Afrikas, dass es nicht schaden kann, immer ein bisschen “papél hygienico” zur Hand zu haben. Diesmal mussten Blätter des Platana.Strauches herhalten. Ja Jenny, einmal pro Reise musst Du auch wieder diese Gesichten über Dich ergehen lassen”.

Ansonsten stopf ich so ziemlich alles in mich rein, was irgendwie exotisch erscheint. Die von mir in Afrika eisern eingehalten Regel “peel it, boil it, cook it OR forget it !” gilt in Kolumbien schon lange nicht mehr…. schauen wir mal, wie lange ich damit durchkomme. Diejenigen unter Euch die jetzt den Kopf schütteln, sei gesagt, die Mangostreifen waren wie gesagt stark gesalzen: wohl nicht ohne Grund !

Leider mussten wir dann nochmals wegen einer Strassensperrung 30km Umweg in Kauf nehmen und trudelten nach 8h in Medellín ein. Ich wusste, dass wir vom reichen Süden in die Stadt kamen und so war ich auch relativ entspannt, was die Einfahrt in die Stadt bei Dunkelheit anging, beginnen die Viertel für die, die Stadt leider berühmt ist erst ca. 8km nördlich des „Nobelviertels El Poblado“, in dem wir zwei Nächte für weniger als 80€ logierten. Was ich allerdings zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass das von Yis vorgeschlagene bzw. ausgesuchte Hotel der Kolumbianischen Kette “Estelar”, das auch das Tophotel in ihrer Stadt darstellt und hier in Medellín ziemlich genau 2 Blocks entfernt liegt, von Pablo Escobars bunkerartiger Stadtvilla “Mónaco”, die neben der legendären Hacienda Nápoles und dem Seeanwesen in Guatapé Pablo Escobars bekanntestes Anwesen darstellt. Es ist genau das Gebäude, vor dem „das Cali-Kartell“ im Januar 1988 in einem grauen Toyota über 80kilo TNT explodieren liess.

Wir hatten nur einen wirklichen Tag in Medellín, den gestrigen Sonntag und um es vorweg zu nehmen: die Stadt hat einfach ihren Reiz ! Es fehlen jetzt noch eine Zusammenfassung aus Bogotá, unser tolles Wanderabenteuer im Valle de Cocora und unser gestriger Wahnsinnssonntag in Medellín – in 3h geht es dann schon weiter nach Guatapé und da werden wir hoffentlich neben den Schwimmhosen wieder die Wanderschuhe zum Einsatz gelangen !

Überflutete Fährhütte?

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